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„Gossip“ in der Zitadelle Spandau

GossipBeth Ditto tobt scheinbar pausenlos über Bühnen. Täglich wächst im Internet die Zahl wa­cke­liger Mitschnitte. Ditto wird von den Medien umgarnt, um Life­style-Kolumnen gebeten, posiert für Titelblätter von Hochglanz- und Queer-Magazinen. Selbst Everybody’s Darling der Pariser Fashion Week war sie schon, umschwärmt von Stardesignern. Eine eigene Modelinie für XL-Frauen hat die 28-Jährige auch schon vorgestellt. Da fragt man sich, ob es eigentlich ein paar Doppelgän­gerinnen gibt, die die Sängerin mit der flammenden Soul-Stimme über­all dorthin entsendet, wo ihr Typ gefragt ist. Dann wiederum ist Ditto bekanntlich unnachahmlich: ein geborener Popstar, der schon eine stimmige Persona von sich entworfen hatte, als Gossip bloß als Geheimtipp im amerikanischen Rrriot-Girl-Mekka Olympia galt.

Spätestens seit dem dritten Album „Standing In The Way Of Control“ ist die Begeisterung für den knappen Elektro-Soul des Trios überall angekommen. Alle Welt reißt sich nun um die smarte Selbstdarstellerin. Irgendwo in den prallen Terminplan passte noch die Studioarbeit am akutellen Album „Music For Men„. Mit Rick Rubin stand der Band eine angemessene Produzenten-Ikone zur Seite. Dabei ist der nochmals abgenagtere Dance-Sound von Gossip eher ungewöhnlich für den Altmeister, den man doch eher mit ausgesprochen maskulinen Klienten assoziiert, wie Johnny Cash oder Slayer. Tanzbar und gefällig sind die Songs geraten; doch klingt der Majorfirmen-Einstand des Trios aus Portland überraschend clean, wie reingewaschen. Da liegt der Fokus mehr denn je auf der quirligen Frontlady, die wie gewohnt groovt, jubiliert und ihr urwüchsiges Soul-Brüllen brüllt. 


Text:
Ulrike Rechel

Gossip
in der Zitadelle Spandau, Mi 2.6.2010, 19.00

Lesen Sie hier: Die CD-Kritik: Gossip „Music For Men“

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