Konzerte & Party

Gotye im Astra

Gotye

Die Gegend, in der Gotye seine Songs aufnimmt, ist neiderregend. Der Ort findet sich auf der australischen Halbinsel Mornington in Victoria nahe Melbourne; nur einen Plektrumwurf weit entfernt von einem malerischen Sandstrand. Hier hat der Songschreiber sein Studio eingerichtet. Kein Wunder, dass dem 31-Jährigen in dieser Umgebung ständig interessante Ideen kommen, teils auch Geräusche auffallen, die er spontan in den Laptop einspielt. Manchmal frickelt der Mann, der sich selbst ohne Umschweife als „Nerd“ bezeichnet, einen halben Tag lang an einem einzigen obskuren Loop aus einem noch ulkigeren Klangfundstück.
Dass ausgerechnet der als Kind aus Belgien nach Australien eingewanderte Gotye – bürgerlich: Wouter de Backer – es jüngst zum Chart-Überflieger und Liebling diverser Hollywoodstars brachte, ist ziemlich ungewöhnlich. Wo sein aktuelles, drittes Album „Making Mirrors“ doch vor allem verschroben ist, spannend und stilistisch kaum zu fassen. Der Fokus liegt diesmal weniger auf spitzfindig verfremdeten Samples und Absonderlichkeiten vergilbter Flohmarkt-Platten. Stattdessen umfasst die Streuweite vor allem einen weiten Mix verschiedenster Genres: von edel vergilbtem Soul nach Motown-Art über programmierte Dance-Pop-Psychedelia bis hin zu einem Klang, der den gediegenen Studiopop der Achtziger а la Peter Gabriel evoziert. Für diesen eher wenig hippen Sound steht auch Gotyes großer Hit „Somebody That I Used To Know“: ein bittersüßes Artpop-Duett, das klingt wie eine vergessene Perle von Police, samt Gotyes gepresst-emotionalem Gesang. Gut möglich, dass sich mancher Fan des Songs, der sich jetzt in ausverkauften Hallen einfindet, im Lauf des Konzerts verwundert die Ohren reibt – wo doch kein Gotye-Song so klingt wie der andere.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Warwick Backer

Gotye, Astra, Di 21.2, 20.30 Uhr, ausverkauft

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