Konzerte & Party

Gravenhurst im Comet Club

Gravenhurst

Unter Bristols Musikern herrscht eine gewisse Hassliebe zu ihrer Stadt. Über städtebauliche Verfehlungen im Rathaus der Hafenstadt kann sich etwa Portisheads Adrian Utley echauffieren; auch Nick Talbot alias Gravenhurst gebraucht gern den Begriff der „psychogeography“, um den Einfluss verstörender Architektur auf die Seele zu beschreiben. Wie ein Ort, an dem man nicht unbedingt Urlaub machen will, klingt denn auch sein Band-Alias Gravenhurst, unter dem gerade bei Warp sein sechstes Album herauskam, „The Ghost In Daylight“. Beruhigend entschleunigt wirken Talbots verhuschte, nachtwache Solo-Songs beim ersten Hören – gewissermaßen wie das Gegenteil der Dynamik einer Großstadt. Synthesizer, Samples und raunende Hall-Effekte malen im Hintergrund von Talbots sanftem Gesang einen lauernden Klangfilm: Man assoziiert Fahrstuhltüren, Zugrattern oder das Pfeifen von Lüftungsanlagen: urbanes Inventar, dem – im Kontrast zur wohligen Ruhe von anderen Leisetretern wie etwa Kings Of Convenience – etwas unterschwellig Unheilvolles innewohnt. In seinen Texten beschäftigt sich der Horrorfilm-, Literatur- und Comic-Fan entsprechend um die düsteren Exemplare der Zivilisation: um Brandstifter, die für ihre Aktivitäten die Nachtruhe abwarten, um Serienkiller als lauernde explosive Bedrohungen. Im zauberhaft schwebenden Dreamfolk-Epos „The Foundry“ variiert er den bekannten, ahnungsvollen Satz von Heinrich Heine: „If you let them burn books, you’ll let them burn bodies / The man with the match could be anybody“, heißt es bei Gravenhurst – und klingt dabei doch wie eine süße, seelentröstende Ballade.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Lucy Johnston

Gravenhurst, Comet Club, Mo 25.6., 21 Uhr, VVK: 14 Euro zzgl. Gebühr

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