Konzerte & Party

Greeen Day in der Wuhlheide

Green Day

Green Day wollen sich mal wieder etwas gönnen. Zwei ambitionierte und überaus erfolgreiche Polit-Rock-Opern liegen hinter ihnen, nun scheint die Zeit für eher simpel gestricktes Amüsement gekommen. Im Video zur neuen Single „Oh Love“ gibt das Trio aus Berkeley bei Bier und Fast Food ein Ständchen für eine Handvoll hübscher Models. Angesichts der Brisanz und Komplexität von „American Idiot“ und „21st Century Breakdown“ ist dieses Niveau verblüffend. Die Analyse des Geisteszustandes der krisengeschüttelten Weltmacht USA scheint vorbei, heute frönen Green Day lieber (körperlicher) Belustigung, verpackt in unverschämt eingängige fünf Minuten. „Verrat“ und „Sell-out“ tönt es folglich aus dem Internet-Fanlager. Aber abwarten: Tatsächlich planen Green Day in den kommenden Monaten nicht ein, sondern gleich drei Alben herauszubringen, sinnigerweise mit „ЎUno!“, „ЎDos!“ und „ЎTres!“ betitelt. Grund sei die „kreativste Zeit unserer Karriere“, heißt es dazu in einer Mitteilung der Band. „Wir werden verdammt episch!“ Verglichen mit der bisherigen Diskografie ist das eine reichlich vollmundige Aussage. Es gibt Mitschnitte von Showcases, auf denen das neue Material bereits live erprobt wurde, allerlei Singalong-Punkrock wie aus den „Dookie“-Tagen, gebrochen von Experimenten wie dem besagten „Oh Love“ oder „Kill The DJ“, einem schlenkernden Indie-Rocker. Das festigt den Verdacht, dass sich Green Day erst einmal bar jeden Konzept-­Korsetts austoben müssen. Inwiefern das alles wirklich episch gerät, wird sich in der Wuhlheide zeigen, spätestens aber im Januar, wenn der letzte Teil der Trilogie erscheint.

Text: Roy Fabian

Foto: Felisha

Green Day + Angels & Airwaves + All Time Low, Wuhlheide, Do 30.8., 18 Uhr, VVK: 48 Euro zzgl. Gebühr

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