Klavier

Grigori Sokolov und Alexei Lubimov

Hammer-Pianisten deluxe: An zwei Abenden gastieren Grigori Sokolov und Alexei Lubimov in Berlin

Alexei Lubimov

Wie man „mit dem Hammer philosophiert“, wusste Friedrich Nietzsche (so lautet der Untertitel seiner „Götzen-Dämmerung“). Wie man mit dem Hammer Klavier spielt, das hat der Erfinder des Fortepianos Bartolomeo Cristofori kurz vor 1700 bewiesen: Er baute ein Tasteninstrument, bei dem die Saiten nicht mehr gezupft, sondern mit Hammerköpfchen angeschlagen werden. Seit seine Erfindung Geschichte schrieb, bemühen sich alle Pianisten, die Hämmer wieder vergessen zu machen – und auf dem Klavier zu singen. Dabei entstand – vereinfacht gesprochen – die moderne Legatokultur, perfektioniert auf Instrumenten wie dem Steinway-Flügel. Nur: mit dem Hammer philosophieren, das geht anders.

Die Herrschaft des Steinway (und des romantischen Singsangs auf dem Klavier) ist heute weltumspannend. Im Konzert erlebt man selten Ausnahmen. Besonders ein Hammer-Philosoph des Klaviers aber hat sich – sogar auf dem Steinway selber – Ruhm erspielt, obwohl er nur wenige CDs aufgenommen und kaum je ein Interview gegeben hat: Grigori Sokolov, der russische Kult-Pianist schlechthin. Er ist ein prononcierter Hämmerer. Gern im Mezzo-Forte aufwärts, gibt es kaum einen perkussiveren, eruptiveren Pianisten als den heute 66-Jährigen, untersetzten Herrn mit dem Sardellen-Scheitel. Keine Augenweide, gewiss. Mit dem Hammer aber philosophiert keiner besser als er.

Kaum photogener als Sokolov ist der einzige russische Kult-Hammerpianist im engeren Sinne, der den Steinway verächtet: Alexei Lubimov (72). Hinter dicken ZK-Brillengläsern abgeschirmt, gilt er als Klassiker historischer Hammerklaviere. Ein Musiker also, der (fast) nur echte Fortepianos traktiert: alte Instrumente, die klirren und klappern, auf denen aber alle Brillanz unserer Steinway-Hörgewohnheiten zerfällt. Stattdessen machen sie den Salon-Geruch des 19. Jahrhunderts, den Odem schwerer Damastvorhänge und Brokatkissen direkt hörbar. Da Lubimovs Lieblingsinstrumente in großen Konzertsälen kaum zu finden sind, ist auch sein Name vergleichsweise unbekannt.

Jetzt lassen sich beide Kult-Hämmerer, unabhängig voneinander, binnen drei Tagen in Berlin blicken. Natürlich getrennt; über den Grad ihres persönlichen Einvernehmens ist nichts bekannt. Der aus Leningrad stammende Sokolov widmet sich in der Philharmonie Mozart (KV 457, 475, 545) und Beethoven (op. 90, 111). Da wächst dann kein Blümchen mehr – was einige seiner Fans freilich bestreiten würden; und er selbst auch.

Sein Moskauer Widerpart Lubimov stürzt sich gleichfalls auf Beethoven (op. 13, 27/2), kombiniert dies jedoch mit zwei Sonaten von Johann Ludwig Dussek (op. 44, 77). Dieser ist ungefähr so wenig bekannt wie Lubimov selber. Passenderweise tut er dies im Pianosalon Christophori in der Weddinger Uferstraße. Dort kann Lubimov zwischen diversen Hammerklavieren auswählen und sogar hin- und herwechseln.

Beides sind hammerharte Gelegen­heiten. Bestimmt benehmen sich beide Beaus vorbildlich zart. Und hauen gelegentlich nur ganz sanft in die ­Tasten. Denn so und nicht anders macht man es, wenn man mit dem Hammer nicht nur kurz mal philosophiert. Sondern musiziert.

Philharmonie (Sokolov) Mi 29.3., 20 Uhr Karten 30 – 70 €

Pianosalon Christophori (Lubimov) Fr 31.3., 20 Uhr Karten 20 € (inkl. Getränke)

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