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Grimes: Art Angels

Grimes: Art AngelsZum Glück stellt sich die kanadische Sängerin mit dem Track-Titel „Laughing And Not Being Normal“ jetzt noch einmal vor. Atmosphärische Klänge aus dem Mystery-Thriller, Hinweise auf Interesse an klassischer Musik und ihre mädchenhafte Stimme ergeben eine Mischung, die nicht von dieser Welt ist. Diese Frau ist eine Patchwork-Künstlerin, immer bereit, von Stück zu Stück anders zu agieren.
Zurzeit lebt Grimes in Los Angeles, was sie zu beeindrucken scheint. In „California“ nutzt sie einen nervösen Beat aus dem R&B und trällert darüber mit der Ausgelassenheit eines Kindes auf dem Spielplatz. In „Scream“ sieht es schon wieder anders aus. Gruselstimmung huscht hindurch, an der Gitarre deuten sich Twang-Beat und Noise-Rock an und Aristophanes liefert einen Eindruck, wie man sich ein Fantasiereich in Fernost vorstellt. Die taiwanesische Rapperin gehört zu einer internationalen Girlgroup im Grimes-Kosmos, deren Mitglieder sich nach Belieben ändern.
In der Regel ist es so, dass Künstler die packenden und eingängigen Stücke an den Beginn einer Kollektion stellen. Grimes lässt sich damit etwas Zeit. Ein richtiger Reißer wird „Art Angels“ ab Beginn des zweiten Drittels. In „Kill V. Maim“ dreht sie wie einst Toni Basil in „Mickey“ auf. Durch das psychedelische „Easily“ ziehen sich raffiniert eingestreute hohe Töne, die sich wie die eines Vogels anhören, der die Orientierung verloren hat. Eine tragende Säule ist auch „Venus Fly“ mit der großartigen Janelle Monбe als Gruppengast. „Why you looking at me now“, fragt sie darin. Die Antwort ist einfach: In diesem Album steckt endlich einmal der gelungene Versuch, einen Pop zu entwickeln, der zu 2015 passt.

Text: Thomas Weiland

Grimes, Art Angels (4AD/Indigo)

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