Konzerte & Party

Grinderman in der C-Halle

Grinderman

tip Nach dem Blues-Minimalismus Ihres Debüts loten Sie diesmal komplexere Formate aus. Wiederholung um keinen Preis??
Nick Cave?Das zweite Album klingt nun in der Tat sehr anders. Es ging uns darum, Neues zu erkunden, in Regionen vorzudringen, die du – musikalisch gesprochen – normalerweise besser aussparst.

tip Ein Beispiel??
Nick Cave Wir gehen zum Beispiel ins Studio, um ein Stück anzufangen, das zum 30-minütigen abstrakten Exkurs wird und in dem Warren (Ellis, der Geiger, Anm. d. Red.) ein halbstündiges Flötensolo spielt. Das wäre also in jeglicher Hinsicht ein Haufen Bullshit…

tip Aber Sie bleiben am Ball.
Nick Cave Absolut. Später hören wir uns die Session noch mal an. Plötzlich – während alle fast eingeschlafen sind – entdeckst du darin 30 Sekunden, in denen etwas Faszinierendes passiert. So was greifen wir raus, entfernen alles, was drum war – und haben ein zauberhaftes Stück Musik. Aber ursprünglich kam es aus einem ziemlich unsinnigen Zusammenhang. Die Aufgabe ist dann, aus diesem kleinen Stück Musik etwas zu machen, das ein Song ist.

tip Ist das der Kern, aus dem das Album entstanden ist?
Nick Cave Der Großteil beruht auf Improvisation.  Das meiste, was ich dann singe, ist bloß dummes Zeug, Sätze, die ich aus dem Moment heraus singe. Das funktioniert wie bei der Musik: Plötzlich fällt dir was Interessantes auf, eine spannende Zeile.

tip Es heißt, wütende oder deprimierte Musiker schreiben bessere Songs…
Nick Cave Ich lebe derzeit ein einigermaßen gesundes Leben. Damit zu verbinden, dass ich keine Ängste kenne, keine Furcht vor Traurigkeit, wäre völliger Unsinn. In den Zeiten, als ich viel Heroin genommen habe, waren meine Gefühle alles andere als traurig. Ich fühlte mich sogar ganz prächtig. Man braucht nicht in einem bestimmten psychischen Zustand zu sein, um gute Musik zu machen. Es geht darum, in deine Fantasie einzusteigen; an diesen Ort zu verschwinden, der einen alternativen Platz zu der Welt darstellt, in der wir leben. Das ist Fantasie für mich. Um dort hinzugelangen, brauche ich keine Drogen oder Alkohol. Ich komme heute auch so sehr verlässlich an diesen Punkt.

Interview: Ulrike Rechel

Grinderman, C-Halle, Do 14.10., 20 Uhr, VVK: 39,50 Euro

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