Konzerte & Party

Großstadtgeflüster im Lido

Großstadtgeflüster

„Käthe baut sich ‘ne Rakete“ singt Großstadtgeflüster-Sängerin Jen Bender zu zackigen Electro-Beats, und man kann sicher sein, dass die agile Frontfrau dazu entsprechend abgeht. In einem anderen Song fühlt sie sich wie eine „Königin“, das bringt sie dann ganz gefühlvoll herüber. Insgesamt verkörpert diese Frau eine gelungene Synthese aus der frühen Nina Hagen und der späten Inga Humpe. Und so ganz nebenbei bringt Bender mit ihrer dreckigen und zugleich verletzlichen Art Berlin auf den Punkt. Ganz neu ist das alles nicht. Die Ursprünge von Großstadtgeflüster gehen bis ins Jahr 2003 zurück. Drei Jahre später erschien das Debütalbum „Muss Laut Sein“ bei einem Major. Die wirkliche Initialzündung kam dann aber später, bei ersten Clubkonzerten. „Das erste Album ging in Richtung Pop, war ein reines Studioding und lief nicht. Da mussten wir eben die Ärmel hochkrempeln und auf Ochsentour gehen. Große Überlegungen gab es nicht. Wir hatten nichts geprobt und einfach losgelegt. In letzter Konsequenz hat sich diese Band auf der Bühne erfunden“, sagt Schlagzeuger und Soundbastler Chriz Falk.
Großstadtgeflüster haben sich mittlerweile auf ein langes Do-it-yourself-Dasein eingerichtet. Ihr neues Album heißt „Alles Muss Man Selber Machen“. Die drei Musiker aus Schöneberg beklagen sich aber nicht über diesen Zustand. Im Gegenteil: Sie kosten ihre Freiheit voll aus. Wenn sie Lust auf einen Song namens „Nutten und Koks“ haben, dann schreiben sie ihn. „Bei uns fühlt es sich an wie früher im Kinderzimmer“, berichtet Falk. „Damals hatte man keine Schranken im Kopf und sich nicht gefragt, ob man etwas darf oder nicht. Man hat es einfach gemacht.“

Text: Thomas Weiland

Großstadtgeflüster, Lido, Mi 19.5., 21 Uhr, VVK: 11 Euro

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