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Hagen Liebing: Kollabo-was?

HagenLiebingAls Redakteur hat man es nicht immer einfach. Man macht sich manchmal sogar unbeliebt. Auch deshalb, weil oft ein Altersunterschied zu den Autorinnen und Autoren besteht. Das bringt eine gewisse Verantwortung mit sich. Eben deshalb tilge ich auch das Wort “Kollaboration“ aus allen bei mir eingereichten Texten; jedenfalls, sofern damit die Zusammenarbeit zweier Musiker – meist aus dem HipHop-Umfeld – bezeichnet werden soll. “Das sagen doch aber die Rapper so“, höre ich dann meist, oder: “Das ist doch längst  allgemeiner Sprachgebrauch.“    

Vielleicht bei Menschen, die nicht das Glück hatten, lange eine Schule zu besuchen und dort zum Beispiel etwas über den Zweiten Weltkrieg zu erfahren. Damals stand Kollaboration dafür, dass Verräter den Nazi-Besatzern zugearbeitet haben. Nach dem Krieg wurden viele von denen hingerichtet. Frauen, die sich mit Deutschen einließen, stellte man an den Pranger, indem man ihnen das Kopfhaar abschor.

Vor diesem Hintergrund ist es schon wichtig, die Begrifflichkeiten nicht zu vermischen. Sonst geschieht es womöglich, dass ein junger HipHopper doch mal ein Geschichtsbuch zur Hand nimmt und erschrocken feststellt, dass etwa in Frankreich nach 1945 das Rappen unter Todesstrafe stand, man zumindest aber dafür zum Skinhead gemacht wurde. 

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