Konzerte & Party

Hagen Liebing kommentiert: Alles Lüge

Hagen Liebing

Im ersten Moment hatte ich sogar geglaubt, die Meldung sei wahr: Heiko Maas, Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz (SPD), habe die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten dazu aufgefordert, den Rio Reiser-Song „Alles Lüge“ aus dem Programm zu nehmen. Man wolle in der gegenwärtig aufgeheizten politischen Stimmung etwaigen Pegida-Ressentiments („Lügenpresse“) auf diese Weise nicht unnötig Vorschub leisten.
Zum Glück handelte es sich bei diesen News jedoch um die Online-Satire der „Zeller Zeitung“!
Aber warum hält man solch absurde Vorgänge inzwischen überhaupt für möglich? Warum wundert es einen kaum noch, wenn selbst eine Linken-Ikone, ein Bespitzelungsopfer von BND und Stasi gleichermaßen, jemand, der Songs für die Gewerkschaft und für die SPD schrieb, der tagespolitischen Korrektheit zum Opfer fallen könnte?
Es liegt wohl daran, dass wir uns längst in einer aufgebrachten, an Oberflächenreizen orientierten Empörungsgesellschaft bewegen. Sprache dient nicht mehr dazu, sich zu verständigen, sondern um andere ins Abseits zu stellen. Und dies ist beileibe nicht die alleinige Marotte von Facebook-Trolls – verantwortungslose Emotionalisierung praktizieren genauso auch sensationsversessene Journalisten und wahlweise hyperventilierende oder auch kühl provozierende Politiker.
Es ist aber dringend notwendig, dass nicht hauptsächlich um Worte, sondern wieder mehr um gute Taten gerungen wird.

Text: Hagen Liebing

Mehr über Cookies erfahren