Konzerte & Party

Hagen Liebing kommentiert: Damenwahl

Hagen Liebing

Der Zufall wollte es, dass ich in letzter Zeit gleich drei Musikerautobiografien gelesen habe. Zunächst das Buch von Viv Albertine, zu Punk-Zeiten Gitarristin von The Slits, heute Filmregisseurin und Schauspielerin. Dann die Erinnerungen von Kim Gordon, ehemalige Bassistin von Sonic Youth, die heute unter anderem als Malerin tätig ist. Und gerade eben habe ich auch die Lektüre von Billy Idols Memoiren („Dancing With Myself“) abgeschlossen. Der Vergleich fällt erschreckend aus.

Während die beiden Frauen ihre Rückschau nicht nur dazu nutzen, Musikbiografisches loszuwerden, sondern auch die Rolle in der männerbündischen Popindustrie reflektieren und sich darüber hinaus auch als sensible Menschen mit dem Älterwerden, mit Krankheit und Partnerschaft auseinandersetzen, porträtiert sich Billy Idol über den Zeitraum von 25 Jahren lediglich als schwanz-gesteuertes Wesen, das seine Triebhaftigkeit mit überdimensioniertem Drogenkonsum noch unermesslich zu steigern wusste.

Entweder blieb bei so viel Engagement in der Horizontalen keine Zeit mehr für den Blick auf andere Dinge des Lebens (außer ein wenig Musik machen), oder aber das serielle Flachlegen von Groupies, ausgiebige Bordellbesuche in Thailand, Koks, Heroin, unzählige MTV-Einsätze und ein paar Goldene Schallplatten sind für uns Männer dann doch schon genug als Lebensziel. Bei der Lektüre gilt jedenfalls: 2:0 für die Ladies.

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