Konzerte & Party

Hagen Liebing kommentiert: Korrekturen

Hagen Liebing

Fehler und Irrtümer kann man eigentlich ruhig auch mal zugeben. Dies ist nicht etwa peinlich oder schwach, es zeugt viel eher von Größe. ?Diese wichtige Erkenntnis wurde mir ausgerechnet letzte Woche beim Kraftwerk-Konzert in der Neuen Nationalgalerie ins Gedächtnis gerufen.
Die Elektro-Popper haben ihr Stück „Radioaktivität“ vor mittlerweile 40 Jahren geschrieben. 1975 sorgte der Umstand, dass „Radioaktivität / für dich und mich / im All entsteht“, bei ihnen durchaus für zukunftsfreudige Erwartungen. Mittlerweile aber sind wir – und auch Kraftwerk – schlauer.
Heute führen sie das Stück immer noch auf. Nun aber werden darin die Katastrophenorte aufgezählt, die Kernkraftbefürworter zum Umdenken zwangen: Harrisburg, Sellafield, Fukushima. Und die neue Losung lautet: „STOP! Radioaktivität“.
Keine sensationelle Enthüllung, das sagt inzwischen selbst Angela Merkel. Und auch nicht Rock-’n’-Roll-like, denn da hofft man ja, möglichst jung zu sterben. Und dennoch freue ich mich über die Haltung von Ralf Hütter & Co, denn überwiegend ist man doch heute von Leuten (in sozialen Netzwerken) umgeben, die es für stark halten, vehement auf der eigenen, notfalls auch falschen Meinung zu bestehen. Dabei sollten in Tagen wie diesen durchaus mehr Menschen dazu imstande sein, ihre Irrtümer zu korrigieren. Nicht nur alte Musiker.

Text: Hagen Liebing

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