Konzerte & Party

Hagen Liebing kommentiert: Mittelalter-Festspiele

Hagen Liebing

Es war ja nicht alles schlecht. Erinnern Sie sich noch an die Zeiten, als das Mittelalter hier wieder ganz groß in Mode kam? Es muss ganz ursächlich etwas mit dem Mauerfall zu tun gehabt haben, denn gerade in der Nachwendezeit zogen vornehmlich ehemalige Ostpunks mit Dudelsack und ohne Unterwäsche durch die Lande, verlustierten sich auf Mittelaltermärkten mit Burgfräuleins beim Gemischtbaden und bevölkerten gesamtdeutsch die Fußgängerzonen. Albern? Sicher! Und dennoch sehne ich mich nach dieser friedlichen Beklopptheit zurück. Denn nicht selten stehen in Fußgängerzonen heute ganz andere Vertreter des Mittelalter-Revivals: Denen geht es um züchtig-unterwürfige Frauen und glaubenskriegerische Männer, um Religion als ehernes Gesetz mit durchaus gewollten, weil erzieherischen Kollateralschäden wie Hexenjagd, Folter und Kopfabschlagen.
So zeigen Freunde des Islamischen Gottesstaates in nah und fern heute noch einmal mustergültig auf, was vor 800 Jahren in unserem christlichen Kulturkreis  mit der Inquisition und anderen groben Religionspraktiken so alles schiefgelaufen ist und weshalb seither eine Trennung von Staat und Kirche zum Glück gang und gäbe ist.
Ganz ehrlich: Wenn ich die Wahl hätte, dann wünschte ich mir heute all die ranzigen, tanzenden Dudelsackpfeifer zurück anstelle der tödlichen Gottesstaatanbeter.

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