Konzerte & Party

Hagen Liebing kommentiert: Pop My Ass

Hagen Liebing

Was kann es nur gewesen sein, das uns im ausgehenden Pop-Jahr am meisten beschäftigt hat? Ging es um Musik? Da gab es Stagnation auf hohem Niveau. Ging es um schmutzige Sprache und dubiose Herkunft, dann war der Offenbacher (sic) Rapper Haftbefehl erste Wahl. Und ging es um ernst zu nehmende Erwachsene ohne Blatt vor dem Mund, dann wurden immer wieder Sleaford Mods genannt.
Auch von Geld war bei Berlins Musikmachern häufiger die Rede: Die Veranstalter des Greenville Festivals gingen pleite, das Berlin Festival wurde geschrumpft und nun soll es das Lollapalooza-Festival aus den USA richten. Dessen Betreiber Perry Farrell: „Ich habe gehört, in Berlin soll es sehr viele kreative Leute geben.“ Stimmt, nur beklagen diese, so wenig mit ihrer Kunst zu verdienen, dass es kaum für ein Festival-Ticket reichen dürfte.
Was die Musikwelt aber wirklich beschäftigt hat, das waren die dick zur Schau gestellten Hintern des TV-Sternchens Kim Kardashian und ihrer Rap- und Soul-Schwestern Nicki Minaj, Iggy Azalea und Jennifer Lopez. Es liegt im Auge des Betrachters, ob hier einfach nur Porno- Ästhetik als verkaufsförderndes Element eingesetzt wird oder aber das weiße Mainstream-Musikgeschäft sich ungefragt der afroamerikanischen Tradition der hemmungslosen Hinternvergötterung bedient. Urteilen Sie selbst – bis dahin wünsche ich klangvolle Festtage.

Text: Hagen Liebing

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