Konzerte & Party

Hagen Liebing will nicht verhandeln

Hagen Liebing will nicht verhandeln

Liebe Kollegen Musikjournalisten, liebe Kritiker und Podiumsteilnehmer bei der Berlin Music Week. Eine kleine Bitte vorab: Seid doch bitte so nett und vermeidet das Wort „verhandeln“ im Zusammenhang mit einem Gespräch oder Schreibarbeiten zu Schallplatten oder Ähnlichem. Ich lese es schon unaufhörlich in der „Spex“ und jetzt war es auch noch beim „Soundcheck“ von radioeins zu hören, wo stolz erwähnt wurde, welche neuen Platten man gerade verhandeln würde.
Was wird denn da verhandelt? Sind wir bei Gericht, wo Täter, Opfer, Verteidiger und Ankläger beieinandersitzen, um Schuld und Sühne auszumachen? Sind wir bei einer Geiselnahme, wo Entführer mit der Staatsmacht über Lösegeld verhandeln? Sind wir auf einem Basar, wo immerhin noch der angemessene Preis für eine Ware ausgehandelt werden kann?  Nein, hier reden Menschen lediglich über ihre Eindrücke von einem Produkt, an dessen Entstehung sie weder beteiligt waren und an dessen Erwerb sie auch nicht wirklich interessiert sind, weil sie es ja eh bereits als Rezensionsexemplar vorliegen haben. Was also gibt es da zu verhandeln? Vielleicht sollte man mal konkret sagen, worum es hier eigentlich geht, ganz ohne die Hybris, mit der sich Kritiker gerne in den Richterstand erheben: Es wird nicht verhandelt, sondern – ob nun klug oder auch naseweis – ?eine Meinung geäußert.

Text: Hagen Liebing

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