Konzerte & Party

Hagen Liebing: Wir sind gekommen, um uns zu beschweren

HagenLiebingNach der Kampagne der „Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V.“ gegen die Plakate und das Cover-Artwork der Mitte Januar erscheinenden Knorkator-Platte „We want Mohr“ wird für das neue Jahr mit weiteren Anprangerungen engagierter Bürger zu rechnen sein: Gerade erst haben nämlich Rainald Grebe und sein Orchester der Versöhnung indigene Gruppen sehr verstört, weil Grebe alte kolonialistische Klischees aufleben ließ, indem er sich mittels eines Häuptlingskopfputzes als Rothaut ausgab. Seine Mitmusiker werden sicher auch bald den Tierschutz auf den Plan rufen, schließlich haben sich die Bläser als Pferde verkleidet. Hätte man denn nicht gleich echte Rosse engagieren können, die Posaune spielen? Alice Schwarzer wird sich prinzipiell über jedweden Auftritt von Transvestiten echauffieren müssen. Wo kommen wir da hin, wenn Männer sich fürs Konzert und Theaterspiel unechte Busen anschrauben und einen Fummel überziehen! Das knüpft doch nahtlos an die Jahrhunderte währende, üble Theatertradition an, nach der es der besseren Hälfte der Weltbevölkerung verwehrt blieb, sich selbst auf einer Bühne darzustellen.

Gerade erst muss ich mich auch wieder an eine Urlaubsbekanntschaft erinnern: Die brennenden Anhänger der konservativen Tea-Party-Bewegung insistierten, dass US-Präsident Barack Obama schnödes Blackfacing betrieben hätte, um an die Wählerstimmen der Afro-Amerikaner zu kommen. Eigentlich sei dieser „douchebag“ doch ein relativ bleicher Hawaiianer! Kommt Ihnen das alles ziemlich absurd vor? Ja, mir auch.

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