Konzerte & Party

Hagen Liebuing kommentiert: Wen ficken?

Hagen Liebing

Was erlauben Volksbühne?! „Den Westen ficken“ steht auf ihrem aktuellen Faltplaner, und die Info-Abonnenten am anderen Ende des Berlin-Globus zucken erschrocken zusammen. Was haben wir denn nun wieder falsch gemacht? Beelzebub Dercon kommt doch aus Belgien und nicht aus Charlottenburg!
Und wie kann es dann sein, dass auf dieser Bühne, wo Rockkonzerte längst genauso wichtig sind wie das spielerische Umsetzen alter Reclam-Hefte, demnächst auch West-Berliner wie Alec Empire und Jochen Arbeit anzutreffen sind? Das ist doch eigentlich inkonsequent!
Nicht wirklich, liebe Leser. Es handelt sich doch nur um ein bisschen Marketing für Frank Castorfs Aufführung der Hebbel-Tragödie „Judith“. Wurde bei deren Premiere 1840 noch dem Ungläubigen Holofernes von der bibelfesten Judith der Kopf abgeschlagen, so sind es nun Muselmanen, die im wirklichen Leben westliche Köpfe rollen lassen.
„Neoliberalismus und neoislamistischer Fundamentalismus sind vergleichbar in ihrem Dogmatismus und ihrer Ignoranz gegenüber der Geschichte, aber besonders in ihrer Spektakelhaftigkeit und in ihrer Medienfixiertheit“ lernen wir aus dem gedruckten Konzept der Aufführung.
Castorf hätte also gut und gerne auch „Die Islamisten ficken“ schreiben können. Doch jene würden sich davon wohl kaum erschrecken lassen, und sie zahlen ja – anders als der Charlottenburger – auch keinen Eintritt, wenn sie Theater und ähnliche Vergnügungsstätten besuchen.

Text: Hagen Liebing

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