Riot-Pop

Halsey spielt in der Columbiahalle

Ob schmusig oder rebellisch: Halsey provoziert Betonköpfe

Müssten sich Donald Trump, die gesamte Belegschaft der AfD und alle ihre die Vielfalt verachtenden Anhänger auf einen ultimativen Endgegner einigen – die Chancen stünden nicht schlecht, dass der aussähe wie Halsey. Denn Ashley Nicolette Frangipane, wie die Tochter eines Afroamerikaners mit bürgerlichem Namen heißt, lebt bisexuell, spricht offensiv über ihre bipolare Störung und sinniert in Interviews schon mal darüber, wie gern sie zu Hause ohne BH im Bett lümmelt. Außerdem ist Halsey der festen Überzeugung, dass Männer keine hypermaskulinen Granitblöcke sein müssen: Nach dem tragischen, frühen Tod des US-Rappers Mac Miller betonte sie in US-Medien, immer ein offenes Ohr für ihren Kollaborationspartner und Freund G-Eazy zu haben, nachdem der sich kürzlich wegen Kokainbesitzes Ärger eingehandelt hatte.

Ihre Fans lieben Halsey als Gesicht einer neuen Popstargeneration, die auch Queers und Blacks Identifikationspotential bietet – andere lästern, die Figur Halsey sei spannender als ihre Musik. Dabei stimmt das nicht mal auf den ersten Hörgang: Selbst groß gedachter EDM-Pop klingt bei Halsey, die Lady Gaga als großen Einfluss nennt, widerstandsfähiger und angerauter als bei vielen Kolleginnen aus dem Formatradio. Auf ihrem 2017er Album „Hopeless Fountain Kingdom“ wich der bratzige Riot-Pop ihrer Anfangstage zwar streckenweise R’n’B der schmu­sigeren Sorte; eine lebende Provokation für Reaktionäre ist Halsey dennoch. Zum Glück.

Columbiahalle Columbiadamm 13–21, Kreuzberg, Mi 26.9., 20 Uhr, VVK 42,90 €

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