Konzerte & Party

Hannes Wader in der UdK

HannesWader_c_ThomasKarstenLandläufig gilt Gunter Gabriel als deutscher Johnny Cash. Aber das ist Quatsch! Denn wenn es hierzulande ein Mann-mit-Gitarre-Monument gibt, dann ist es Hannes Wader. Natürlich spielt der keinen Country, er wurde schließlich bei Bielefeld geboren und hatte sich Anfang der 1960er der hier einzigen Musik verschrieben, die volkstümlich war, aber auch Möglichkeit zur intellektuellen Auseinandersetzung bot – er spielte Folk und Talking Blues. Sonst aber ähnelt Waders Werdegang dem des „Man in Black“. Beide galten zunächst als Outlaws. Cash „shot a man in Reno just to watch him die“, Wader „kam von Frankfurt nach Berlin, drei Koffer voll mit Kokain“. Das war 1972 und als Sänger der Studentenbewegung hob Hannes Wader sich von Kollegen wie Knut Kiesewetter oder Reinhard Mey nicht zuletzt deshalb ab, weil er zwischen allen Stühlen saß: Die Medien rieben sich an seiner Mitgliedschaft in der DKP, die Linken wiederum monierten, dass er nicht nur Arbeiterlieder und Protestsongs, sondern auch Shantys sang. Fast noch schlimmer fanden sie, dass er, statt  in einer WG zu leben, viel lieber aufs Land zog, heiratete und Vater wurde. Unter dem gestörten Verhältnis zur Öffentlichkeit litt zwar Waders Karriere, nicht aber sein Њuvre. Nach wie vor singt der Mann Gesellschaftsbeobachtungen genauso wie altes deutsches Liedgut. Und mit bald 70 Jahren ist er eigentlich im besten Alter, um ähnlichen Respekt und Wertschätzung zu erfahren, wie sie Cash seit seinen „American Recordings“ zuteilwurden.

Text: Hagen Liebing

Foto: Thomas Karsten

Hannes Wader UdK, Sa 11.2., 20 Uhr, VVK: 27–35 Euro

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