Konzerte & Party

Hans Unstern im Maxim-Gorki-Theater

Hans Unstern

Um dem Berliner Queer-Folk-Phänomen Hans Unstern näherzukommen, gab es die drolligsten Vergleiche: ob fehlender Link zwischen Martin Kippenberger und Jochen Distelmeyer, „Tom Waits auf Helium“ oder „die Lady Gaga des Diskurspop“. Für die Kollegen von Ja, Panik war der bärtige Barde 2011 nicht weniger als der Grund, ein Label zu gründen, wo Unsterns Debütalbum sowie der Nachfolger von 2012, „The Great Hans Unstern Swindle“, erschien. Lauter und lustiger als der Erstling verbirgt sich dahinter ein verspielt-aufgekratztes Konzeptwerk um die Utopie des autarken Kunstwerks, mit Seitenhieben gegen die Persönlichkeitsfixierung der Popkultur. „Ich such die Teile zusammen, die nicht passen / Ich stell mir vor, ich bau mich zusammen“, heißt es mal, woanders behauptet der Sänger und Gitarrist: „Ich spiele niemandem was vor“, um zumindest auf dem Textblatt „Hülle um Hülle um Hülle“ fallen zu lassen. Zwischen den psychedelisch-assoziativen Wortschöpfungen und der unterschwelligen Systemkritik stolpert man ständig über Zitate, von Kelis bis Heinrich Böll; und vielleicht ist die Unstern-Figur gar selbst ein Sammelgefäß für lyrische Versatzstücke von Autoren wie Renй Pollesch und Sibylle Berg, so orakelte der Songschreiber mal. Einen hohen Wiedererkennungs- und damit Identitätswert haben die Songs jedenfalls auch ohne eindeutige Autorenschaft. Dafür sorgt neben Unsterns hell-nervöser Kehle auch der versponnene Orchestergraben, der Harfe, Tröte und Harmonium umfasst.

Text: Ulrike Rechel

Hans Unstern, Maxim Gorki Theater, Am Festungsgraben 2, Mitte, Sa 20.+So 21.12., 20.30 Uhr, VVK: 10 Euro zzgl. Gebühr (5 Euro erm.)

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