Ex-Teeniestar

Harry Styles im Tempodrom

Harry Styles versucht sich über­raschend überzeugend am Rock

Harley Weir

One Direction waren mindestens halbcool und jetzt, wo man das des Solisten Harry Styles hört, kommt man ins Grübeln. Waren so lässige Moves wie das Covern von Blondie oder den Undertones vielleicht die Ideen von Harry Styles, dem alten Rocker? Lag diese Solo-Laufbahn vielleicht schon tief in der DNA der „X Factor“-Boyband begraben? Kann sein. Ist aber nicht so wahrscheinlich, vermutlich fiel die Entscheidung, dass sich Styles auf diesem Album so konsequent dem Pop-Zeitgeist der Gegenwart verweigert, gemeinsam mit seinem Produzenten Jeff Bhasker. Der ist ein Meister dieser überraschend riesig werdenden Popsongs, schrieb unter anderem mit an „Some Nights“ von fun. und „Uptown Funk“ von Mark Ronson. Gemeinsam mit Styles entwickelte er für dessen Solo-Album eine Art AOR-Rock, der sich vor allem auf die Größen der Vergangenheit bezieht, auf die Beatles, Fleetwood Mac, David Bowie, und, leider auch ZZ Top. Nörgler werden jetzt sagen: Das hat sich doch die Musikindustrie ausgedacht! Das ist doch nicht authentisch! Das ist völlig unerheblich, denn: Mit „Sign Of The Times“, „Ever Since New York“, „Sweet Creature“ und „From The Dining Table“ finden sich auf dem Album vier sehr gute Songs. Die Gitarre zupft mit Mut zur Dissonanz, Styles Stimme klingt, als ­würde er durch ein altes Bettlaken singen, und er erzählt von einem Tag, nicht allzu weit ­entfernt. „Played with myself, where were you?“ fragt er. Frust-Onanie als Albumende. ­Erfrischend ehrlich.

Tempodrom Möckernstr.10, Kreuzberg, Di 7.11., 20 Uhr, ausverkauft

Mehr über Cookies erfahren