Konzerte & Party

Hartes Klima: Mugison

Als Örn Elнas Gudmundsson, kurz: Mugison, kürzlich mit der Dorfbevölkerung von Sъdavнk zusammensaß mit Schere und rollenweise Plastikfolie, da muss sich der Songschreiber vorgekommen sein wie zu Abiturszeiten. Damals verdiente der Isländer sein Geld in einer Fischfabrik und ließ sich von den Geschichten seiner Fließbandnachbarn zu ersten Songs inspirieren. Dieser Tage saß der Anfangdreißiger mal wieder in Reih und Glied bei der Arbeit. Bloß dass er und seine Helfer keine Fischhäute unter den Fingern wendeten, sondern schwarzen Kunststoff für die Hüllen seines neuen, mittlerweile dritten Albums.

Dazu muss man wissen, dass Mugison zu Hause ein Chart-Star ist: Seine spröde, von Tom Waits inspirierte Songpoesie ist dort fast ebenso beliebt wie die Musik ätherischer Popgrößen wie Sigur Rуs oder Björk. An Letzterer zog der Multiinstrumen­talist 2004 sogar vorbei, als er zum besten heimischen Künstler gewählt wurde. Ehrensache, dass sich nun zahl­lose Freiwillige bereit erklärten, den Nachfolger „Mugiboogie“ liebevoll von Hand zu umhüllen. Musikalisch geht es darauf noch eigenwilliger zu als bisher. Der Songschreiber jagt beherzt Kon­traste aufeinander: Im Titelsong etwa gibt er den Bluesmann mit schwerem Hang­over und spontan zusammengeklaubtem Klang­­arsenal. Zwischendurch dirigiert er ein Streicherensemble und verfällt dazu in einen zarten Tonfall, den man wohl eher mit Musik von der Vulkaninsel verknüpft. Doch bevor sich imaginäre Elfenwesen zum Traumtanz formieren, fegt eine raunzende Grindcore-Attacke jeden Schön­klang über Bord. Wie mit einem Schwall Schwefelsäure.

Text: Ulrike Rechel
Mugison

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