Konzerte & Party

Hauskonzert von Susie Asado

susie_asadoWer Josepha Conrad etwas Gutes tun möchte, der serviert ihr vor dem Auftritt eine Tasse Tee. Das Heißgetränk ist Bestandteil ihrer Künstler-Persona Susie Asado. Es taucht nicht nur in einem der neuen Songs auf, sondern ist zudem ein Verweis auf Gertrude Stein. Den süßen Bandnamen hat Conrads Lieblingsdichterin einst erfunden: Um Susie Asado dreht sich eines von Steins kurzen absurden Gedichten – in dem es eben auch um leckeren, sehr süßen Tee geht. Conrad, die Literatur studierte, hat es nach Art ihres amerikanischen Vorbildes der Klang von Wörtern angetan. Auf dem neuen zweiten Album „Traffic Island“ wimmelt es vor entsprechend bildreichen Worten: Knöpfe, Pudel, Pyjamas oder Schneekugeln kommen vor, Ballons, Elefanten oder Samurais. In „Flugangst“ reimt sich „Schablone“ auf „Melone“; auf „Rot“ folgen „Not“, „Brot“ und „tot“. Wenn die Autodidaktin mit dem Faible für gemusterte Flohmarkt-Kleidchen solche scheinbar naiven Texte singt, teils auf Deutsch, teils auf Englisch, dann geht es gleichzeitig um überraschend Persönliches.

Conrad erzählt vom Leben auf Wanderschaft, der eigenartigen Faszination des Fremdseins und von der diffusen Sehnsucht danach, an einem festen Punkt anzukommen. Das Dasein mit wechselnden Adressen ist ihr vertraut: Geboren als Spross einer kunstsinnigen Großfamilie in Frankfurt am Main wuchs sie in Chicago auf, bis sie vor zehn Jahren nach Berlin übersiedelte und mit ihrem Bruder Philipp die Band Crazy For Jane gründete. Ihre künstlerische Heimat fand sie schnell in der emsigen Antifolk-Community, die Filmemacher Uli Schueppel 2007 in seiner Musikdoku „BerlinSong“ porträtierte. Orte, zu denen Susie Asados wortverliebte Lo-Fi-Chansons am besten passen, sind denn auch Bühnen wie der Schokoladen oder Neuköllns Ä, die vergleichbar sind mit dem New Yorker Antifolk-Hort Side Walk Cafй. Gesanglich ist Conrad entsprechend nah am gesprochenen Wort. Passend leicht ist das Begleitgepäck der Band: Geige, Percussion, ein melodieseliger Bass, auch mal Chöre, Ukulele oder eine kleine Gitarre, gezupft von der Bandleaderin. So ähnlich könnte vor 90 Jahren auch eine Großstadt-Salonband aufgetreten sein, vielleicht in Paris – dort, wo Gertrude Stein als Königin der Dichter-Bohиme regierte.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Anja Conrad

Susie Asada + Spring Breakup Hauskonzert, Do 22.12., Ort und Info erfragen über: [email protected]

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