Elektro-Pop

Hearts Hearts in der Kantine am Berghain

Hearts Hearts verleihen der bana­­len Wirklichkeit epische Größe

Foto: David Meran

Es gibt Songs, mit denen man am besten morgens schon das Haus verlässt und die man überallhin mitnehmen sollte, weil sie der Wirklichkeit eine epische Größe und Weite verleihen, die sie in ihrer Banalität sonst einfach nicht hat. „Phantom / Island“ der österreichischen Elektroband Hearts Hearts ist ein solch pathetisches Stück, das die Welt mit anderen Augen sehen lässt.

Der Videoclip führt in überwältigende Naturlandschaften, in deren Angesicht der Mensch, dieser kleine furchtsame Wurm, nur staunen und hoffen kann. Zu einem verzerrten Piano-Loop, Drums und Streichern singt David Österle mit Kopfstimme im Stil Thom Yorkes, auch sein eigentümlich zuckender Tanzstil erinnert an den Radiohead-Frontmann und seine Zappelperformance in „Lotus Flower“.

Ein gestalterisches Prinzip des zweiten Hearts-Hearts-Albums ist der Schrägstrich: „Goods / Gods“. Scheinbare Widersprüche sollen verschränkt werden, Doppelsinnigkeiten und Zwischenräume des Lebens erkundet werden. „Denken in Optionen“ nennt Gitarrist Daniel Hämmerle das. Ein Gegenentwurf zur oft beschworenen Alternativlosigkeit. Das Leben ist eben nie nur das eine oder das andere, sondern meist der Schrägstrich zwischen den Dingen – und die neue Platte von Hearts Hearts nicht nur deshalb ein großer Wurf.

Kantine am Berghain  Am Wriezener Bahnhof, Friedrichshain, Di 8.5., 20.30 Uhr, VVK 15,50 € zzgl. Gebühren

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