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Heather Nova: „Lady Gaga ist mir zu Pop“

heather_nova_teaseMit 16 haben Sie in New York Film studiert. Gehen Sie heute oder morgen noch auf die Berlinale?
Ich wünschte, ich könnte. Auf Tour hat man leider kaum Zeit. Aber vielleicht schaffe ich ja heute Nacht noch eine Spätvorstellung, nach der Show. Und morgen Abend spielt Patti Smith in Berlin – meine Ikone! Leider sind wir dann aber schon wieder unterwegs.

Man sagt: Kein Mensch ist eine Insel. Sie haben eine Weile in London gewohnt und leben jetzt auf den Bermudas. Was bedeuten Ihnen Inseln und die großen Städte andererseits?
Inseln sind für mich ein Rückzugsraum, wo man sicher ist, auch durch das Wasser ringsum. In meinem Song „Island“ geht es um ein Opfer häuslicher Gewalt. Ich hab diese Metapher einer sicheren Insel in meinem Kopf bewahrt. Und ich bin ja auf einer Insel aufgewachsen, bevor ich mit meiner Familie jahrelang auf einem Boot gelebt habe. Inzwischen wohne ich auf meiner eigenen Insel. Zuhause baue ich barfuß Gemüse an. Aber hierher in die Großstadt zu kommen, ist gut für die Balance und echt aufregend.

Von Indie-Rock zu Pop und puristischem Folk – wie hat das Ihr Verhältnis zu bestimmten Instrumenten wie der Akustikgitarre verändert?
Die ist immer noch die Wurzel all meiner Songs. Mit der Akustikgitarre beginnen die Songs. Als ich damals in London eine Band gegründet habe, war das noch was ganz Neues für mich, all diese Stimmen zu arrangieren. Und ich war super aufgeregt, live zu spielen, dem Publikum ins Gesicht zu blicken. (lacht) Es hat mir sehr geholfen, mit der Band zusammen auf der Bühne zu stehen und mich in der Musik zu verlieren. Das Cello ist fast immer dabei und kann stärker als eine E-Gitarre sein. Inzwischen liebe ich es, auf Tour zu sein. Obwohl ich mich mehr als Songwriterin denn als Performerin sehe. Über die Jahre hat sich die Instrumentierung verändert. Ich muss mich auch selbst herausfordern, damit es nicht langweilig wird. Heute Abend sind wir nur zu zweit auf der Bühne.

Also werden die Songs heute Abend sehr anders als auf den Alben klingen?
Oh ja, absolut, alles reduziert auf zwei Leute. Aber alles Lieblingssongs, eine Bandbreite aller Alben.

Wie wird das nächste Album?

Pur und roh, aber mit ein bisschen Elektronik. Aber das tolle an dieser Tour ist auch, nicht direkt ein neues Album zu verkaufen.

Trotzdem gibt es jeden Abend Mitschnitte, die man als Official Bootlegs auf Ihrer Webseite kaufen kann. Ändert das eigentlich die Performance?
Ich versuche immer, da nicht dran zu denken (lacht). Letztens hat mein Cellist eine echt unerwartete Note gespielt am Ende eines Songs. Die wollte er nachträglich löschen. Aber ich hab gesagt: Keine Chance, das ist alles, was live ausmacht! (lacht)

In den Neunzigern waren Sie einer der großen Ikonen für Songwriterinnern. Wie ist es in Zeiten von Lady Gaga um das weibliche Songwriting bestellt?
Sie ist gut, keine Frage. Aber so sehr spricht mich das nicht an, das ist mir zu Pop.

Wie ist es mit Tori Amos?
Die höre ich zum Beispiel sehr gerne. Es gibt nach wie vor gute Songwriterinnen, bloß nicht unbedingt im Mainstream. Das Internet hat der Musik so gesehen gutgetan: Man verkauft vielleicht weniger, aber es gibt einen breiteren Zugang zu Indie-Musik.

Seit dem Album „Storm“ 2003 haben Sie keine Produzenten, kein Label mehr.
Richtig, ich lizenziere die Alben erst, nachdem die Aufnahmen fertig sind. Mit Mercury Rev  – das war toll in Upstate New York. Statt einem Produzenten hatte ich die ganze Band, brachte meine Aufnahmen mit, und sie haben sehr intuitiv, organisch dazu gespielt. Das sind schon schräge Typen, aber sehr nett. (lacht) Als ich noch bei BMG und den großen Labels war, hieß es immer: Wir brauchen eine Single, die es ins Radio schafft. So möchte ich nicht mehr denken.

Interview: Stefan Hochgesand

Heather Nova, Passionskirche, Marheinekeplatz 1, Kreuzberg, Di 12.2. 20 Uhr, VVK Ђ35 (zzgl. Geb.)

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