Konzerte & Party

Heavy Rock im Aufwind

Them Crooked VulturesDass es immer noch einen Tick abseitiger geht, zeigen Tiefdröhn-Extremisten wie Boris, Baroness oder Sunn O))). Wenn die Brachial­ästheten aus Seattle schicke Läden wie das Berliner Berghain mit ihren Monsterschallwellen förmlich ausgießen, dann frohlocken selbst Feuilleton-Journalisten. Auch Indie-Bibeln wie die Online-­Magazine Popmatters oder Pitch­fork heben bei Sunn O))) und Co. einhellig die Daumen. Kein Wunder, dass da manch alteingesessener Mattenschwinger die Welt nicht mehr versteht: „Warum hat Metal plötzlich diesen Hauch der Neuigkeit?“, grübelt etwa ein Fan namens Apprentice Guru in einem Online-Forum. Der „Indie-Appeal“ der neuen Riff-Heroen schmeckt vielen Heavy-Fans einfach nicht.
Die Versöhnung der Avantgarde mit dem Eingängigen hört auf den Namen Them Crooked Vultures und ist mit Dave Grohl, Josh Homme und Bassist John Paul Jones ausschließlich mit Rocklegenden besetzt. Eine coole Bruderschaft. Kein Wunder, dass das Powertrio zurzeit der Hype der Stunde ist: Die Premierenkonzerte im Sommer waren im Handumdrehen ausverkauft, ehe auch nur ein einziger Song bekannt war. Doch mit den Querverweisen auf Led Zeppelin, Nirvana und Queens Of The Stone Age ist im Grunde genug gesagt. Nun ist die Summe der glorreichen Namen zwar nicht so gut wie die jeweiligen Einzelkräfte. Doch so ist das nun mal mit „Supergroups“. Im Vergleich zu anderen Star-Verbindungen machen Them Crooked Vultures jedoch eine blendende Figur. Ihr Debütalbum klingt drall und organisch, verbindet auf un­ge­zwungene Art Siebziger-Hardrock mit extraschweren Riff-Grooves, Improvisationen in Blues und Space Rock mit einem gerüttelt Maß an Weirdness. Fast schon zu cool trägt die Truppe dabei ihre Könnerschaft zur Schau.
So gibt der Ex-Nirvana-Mann Dave Grohl pünktlich mit 40 noch mal den Retter des Heavy Rock: eine Integrationsfigur für alle, die ihre verdrängte Headbanger-Ader mit einer gewissen Altersgesetztheit in Einklang bringen möchten. So was hat der Drummer übrigens schon mal gemacht: Probot hieß sein Heavy-Projekt damals, für das er 2003 einige seiner Lieb­lings-Metal-Shouter ins Studio lud: Venom-Frontmann Cronos etwa, Napalm Deaths Lee Dorrian – und natürlich Lemmy von Motörhead. Ein hippes Projekt. Grohl notierte selig ins CD-Beiheft: „I can finally die a happy man. Hell yeah!“ Auch Helden haben Helden.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Dustin Rabin 

Melvins + Porn, Maria, So 6.12., 20 Uhr, VVK: 24,70 Euro
Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

Them Crooked Vultures, Columbiahalle, Mo 7.12., 20 Uhr, VVK: 37,50 Euro
Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

Isis Support Keelhaul & Circle, Postbahnhof, Mo 7.12., 20 Uhr, VVK: 22 Euro
Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

Motörhead, Arena, Fr 11.12., 19 Uhr, VVK: 32,50 Euro
Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

Slayer, Columbiahalle, Sa 20.3., 20 Uhr, VVK: 32,50 Euro (verlegt vom 5.12.)
Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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