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Heavy Rock im Aufwind

IsisAaron Turner fühlt sich verpflichtet. Er ist angetreten, um Sünden des Metal-Genres auszubügeln. Die liegen für den Frontmann von Isis rund eine Dekade zurück. „In den Neunzigern stand es ziemlich schlimm um Metal. Als Leute wie Limp Bizkit oder Korn das Sagen hatten, sah es fins­ter aus. Doch wir befinden uns im Aufwind“, sagt der Mann zufrieden.
Turners Optimismus kommt nicht von ungefähr. Von Trend­wel­len wie Nü- oder Rap-Metal will heute niemand mehr etwas wissen. Heavy Rock dagegen gedeiht prächtig. Da wären zum ei­nen die Allzeit-Favoriten wie Slayer oder Motörhead, die nach einem mauen Jahrzehnt wieder ein paar ihrer rohsten Platten he­rausbringen. Gleichzeitig finden immer mehr Underground-Metaller breites Gehör. Bands, die sich stur gegen den Mainstream sperren; die keine Radiosingles abliefern und keine Kooperationen mit Turnschuh-Herstellern eingehen. Die stattdessen bewusst in expe­rimen­telle Bereiche vordringen: dorthin, wo es manchen zu undurchsichtig, zu extrem, zu ungemütlich wird.
Das aktuelle Album von Isis etwa, „Wavering Radiant„, bietet denn auch so ziemlich alles, was einen Pop-Promoter schaudern lässt: epische, oft gesangsfreie Stre­cken statt handlicher Songs; verschraubte Schlagzeugrhythmen statt Tanzbares; und bevor eine von Isis’ kolossalen Melodien zu schön wird, verfällt Aaron Turner in berserkerhaftes Endzeitgebrüll. Trotzdem haben Isis es mit ihrem Album erstmals in die Top 100 der Billboard-Charts geschafft. Damit sind die Kalifornier in guter Gesellschaft: Auch Kollegen wie Mastodon, Mars Volta oder Opeth bringen dieser Tage extreme Töne und Chart-Perspektive unter einen Hut. Und strahlen zudem noch eine Portion Hipster-Aura aus.
Am obskuren Rand des Riff-Metiers herrscht auch unter den Labels emsige Betriebsamkeit. Neurot Records, Ipecac und Southern Lord heißen die Flaggschiffe für den „Thinking Man’s Metal„. Bei Neurot finden sich neben den Hausherren Neurosis auch Truppen wie Shrinebuilder oder A Storm Of Light: beides Allstar-Bands um verdiente Mainstream-Verächter wie Unsane, Saint Vitus oder Melvins.

Foto: Jan Laananen

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