Konzerte & Party

Heidenfest

Das letzte Pagan-Metal-Fest im April dürfte dem SO36 noch ungut in Erinnerung sein. Bands wie Moonsorrow, Tэr und Eluveitie teilten sich die Bühne – allesamt mit Faible für den Kult um Heiden und nordische Mythen. Der Abend verlief zwar reibungslos. Doch Ärger gab es trotzdem, im Vorfeld und im Nachhinein. Ein Aktivist aus der Berliner Antifa-Szene hatte zuvor Flugblätter verteilt, zwei der Bands als „Nazibands“ bezeichnet. Dabei nutzte er die Gelegenheit für einen Pauschalvorwurf gegen die gesamte „Pagan“-Szene mit ihrer Faszination für Runen und nordische Mythen.
Dem SO36 kam darauf eine Anzeige wegen Volksverhetzung samt LKA-Besuch ins Haus. Ein Tumult, den der Club nutzte, um seine Veranstaltungspolitik zur Diskussion zu stellen. Als linker Konzertort buche man selbstredend keine rechten Bands. Doch in Zeiten immer verzweigterer Subkulturen werde es zunehmend schwierig, die Übersicht über die jeweiligen Gesinnungen zu behalten. „Nazis versuchen immer stärker, in unterschiedliche Subkulturen einzudringen“, so die Beobachtung, „mittlerweile laufen sie sogar bei eindeutig linken Bands auf.“ Besonders die florierende Pagan-Szene ist ambivalent. Im­merhin gibt es Initiativen wie die Fan-Bewegung Metalheads against Fascism. Doch die wenigsten „Hei­­den“ wollen politisch klar Farbe bekennen. Damit biete das Genre „eine ziemlich offene Flanke für Nazischeiß“, kritisieren die Clubmacher.

Primordial


Die Grenzen zwischen naiven Fantasy-Fans mit Runen-Tattoos einerseits und Rechts-Auslegern andererseits ist in der Tat gefährlich fließend. Auf etablierten Veranstaltungen wie dem Heidenfest, das dieser Tage mit dem nächsten Bandpaket gastiert, braucht man in der Regel keine braunen Schafe zu fürchten. Wenn sich Fans auf der MySpace-Seite des Festivals martialische Grüße zurufen – etwa ein „donnerndes Heil an unsere Glaubensbrüder“ – und sich un­tereinander „die Kraft der Asen und die Weisheit der Wannen“ wünschen, stecken nicht zwangsläufig Rechte dahinter. Im Internet-Zeitalter sind die Wege in braune Gefilde allerdings kürzer geworden. Meistens reichen ein paar Klicks innerhalb der „Freundes“-Liste bei MySpace, schon landet man bei Gruppen, die man lieber nicht näher kennenlernen möchte – wie etwa eine Ro­stocker „Schwarzmetall“-Kombo namens Stahlklang, die auf ihrer Seite Begrifflichkeiten wie Heimatliebe, Naturverbundenheit, Kriegslust und Familie durcheinanderwirft.

Eluveitie


Unter den Bands, die sich jetzt im Postbahnhof die Bühne teilen, findet sich erwartungsgemäß keine mit zwingend auffälligen Inhalten. Die Schweizer Eluveitie erinnern mit Flöte, Geige, Drehleier, Kilt-Tracht und Headbanger-Matte weniger an verbissenen Übermensch-Spuk denn an mittelalter­lichen Party-Metal nach Art von In Extremo. Finntroll versprechen vor allem ein opulent instrumentiertes Synth-Metal-Spektakel, gekrönt von einem schnaubenden Sänger, der klingt, wie aus der Ork-Höhle in „Herr der Ringe“ rekrutiert; die Musiker hören auf Namen wie Trollhorn, Skrymer und Tundra: ein schöner Heiden-Humbug, doch offenkundig mit Live-Talent. Ihre selbst genannten musikalischen Wurzeln sind jeden­falls unzweideutig: Humppa.

Text: Ulrike Rechel

Heidenfest: Finntroll, Primordial, Eluveitie, Manegarm, Equilibrium, Catamenia, Postbahnhof, Mi 5.11., 18 Uhr,
VVK: 30,70 Euro Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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