Konzerte & Party

Helge Schneider im Quasimodo

Helge SchneiderManchmal drängt es Popstars dazu, die gewohnten Hallen einzutauschen gegen Orte in der Art, wie sie sie aus Anfangstagen kennen. Die Ärzte oder Die Toten Hosen geben sich in solchen nostalgischen Stimmungen Tarnnamen und spielen dann in kleinen Clubs vor ein paar Eingeweihten. Helge Schneider muss dagegen keine Camouflage betreiben, wenn er mal wieder vor beschaulicher Runde auftreten will. Der Sprach-Clown aus Mühlheim braucht nur seinen alten Künstlernamen anzunehmen: El Snyder. Der stammt aus Zeiten Anfang der Siebziger, als Schneider nach abgebrochenem Klavierstudium in der Jazz­szene des Ruhrgebiets abhing, dort auf Szenefiguren traf wie den Drummer Charly Weiss. Der spielte schon mit den Kraut­rockern Agitation Free und saß auch mal kurz am Schlagzeug von Kraftwerk. Die Techno-Visionäre gingen ihren Weg bekanntlich ohne Weiss. Der Exilberliner blieb seinerseits treuer Gefährte Helge Schneiders, spielte etwa in dessen weirden Kinofilmen kleine Rollen als Actionpilot oder Gott. Demnächst gibt es mal wieder eine Kollaboration der musikalischen Art. Dafür formieren Schneider, Weiss und der Kontrabassist Reinhard Glöder eine klassische Jazzkombo auf den Spuren von Freispielern wie Thelonious Monk oder Dave Brubeck. Offenbar ist es für den Kultkomiker mal wieder an der Zeit, sein Publikum und sich selbst daran zu erinnern, wo er seine eigenen Wurzeln sieht. „Mein Hauptberuf ist die Musik, nur daraus entwickle ich meine fantastischen Exkursionen“, betonte er mal. Schlüssig also, dass der 53-Jährige sich im Vorfeld seiner teils ausverkauften Comedy-Tour zwei pure Jazz-Abende gönnt – und das Reden mal Saxofon und Piano überlässt.

Text: Ulrike Rechel

El Snyder & Charly McWhite feat. Helge Schneider/Charly-Weiss-Trio, Quasimodo, Fr 30.1., Sa 31.1., So 1.2., 22 Uhr, AK: 20 Euro

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

Mehr über Cookies erfahren