Konzerte & Party

Herman Dune im Festsaal Kreuzberg

Herman DuneBei der 1999 gegründeten Pariser Free-Folk-Band mit schwedisch-schweizerischen Wurzeln (und unüberhörbarem Leonard-Cohen-Faible) war es nicht immer leicht, Nationalität und Mitgliederzahl genau zu bestimmen. Dass sich die (vermeintlichen) Brüder Andrй und David-Ivar Herman Dune zwischenzeitlich Berlin bzw. New York als Wahlheimat aussuchten und neben den offiziellen Alben noch zahlreiche Solo-CDRs herausbrachten, machte das Verwirrspiel komplett. Seit Andrй aber vor zwei Jahren die Band verließ und fortan als Stanley Brinks auftritt, fällt die Zuordnung leichter: Beim aktuellen Werk „Next Year in Zion“ handelt es sich quasi um ein Solo-Album David-Ivars, dessen schrullige Lie­besschwüre zur Akustikgitarre durch Trommler/Cousin Neman Herman Dune noch den entscheidenden Drive bekommen. Zwar sind auf Platte auch wieder Bläser und Chorsängerinnen zu hören, doch live vertrauen Herman Dune nun ganz aufs dynamische Spiel zu zweit, so wie man es seit Längerem von Jonathan-Richman-Konzerten her kennt.
Wie der Altmeister puristischer Pop-Unterhaltung verliert auch David-Ivar bei seinen geschilderten Offenherzigkeiten nie den Blick für kuriose Details, wenn er sich etwa folgende Idylle ausmalt: „And in the winter when it’s cold /Your hair is long and I am bald /I have no hat but it feels so warm /When you cuddle in my arm.“ Herman Dune greifen die Glücksverheißungen alter US-Hits der Brill-Building-Ära auf und haben dabei selbst ein Paradestück an Eingängigkeit und Unbe­schwert­heit geschaffen. „Ich dachte ja bis vor Kurzem, ich müsste melancholisch sein, um Lieder zu schreiben“, gesteht David-Ivar, „doch dieses Album zeigt, dass ich damit zum Glück falsch lag.“

Text: Markus von Schwerin

Foto: Peter Boesch

Herman Dune, Festsaal Kreuzberg, Fr 24.7., 21 Uhr, VVK: 13 Euro

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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