Konzerte & Party

Herrenmagazin auf dem Escobar-Sun-Deck

Herrenmagazin

„Du willst den Himmel, ich die Erde. Wir haben uns in Einigkeit getrennt. Jetzt können wir endlich sein, wie wir uns nicht mehr kennen.“ Hätte Sänger Deniz Jaspersen nicht diese schmodderhafte, grölige und relativ emotionslose Art zu singen, wären Herrenmagazin wohl die Band mit dem größten Runterzieh-Potenzial Deutschlands. Ihre Klang- und Textwelt haben die Hamburger klar innerhalb der vier Eckpfeiler Wut, Verzweiflung, Nachdenklichkeit und Melancholie abgesteckt – schon allein deshalb, weil Zufriedenheit unproduktiv mache, so Jaspersen in einem Interview. Während auf dem Debütalbum noch jugendlich ungestüm losgepoltert wurde, sind Herrenmagazin inzwischen zurückhaltender und fokussierter. Ihre Punk-Attitüde und die Vorliebe für Powerchord-Geschrabbel haben sie auf Album Nummer drei größtenteils gegen einen aufgeräumten, melodiösen Indie-Rock-Sound eingetauscht, der auch nicht vor Pop-Anleihen zurückschreckt. Die erste Single­auskopplung „Frösche“ ist eine verträumte, hymnenhafte, äußerst radiotaugliche Nummer. In den Lyrics heißt es: „Von einem Berg wär‘ es überschaubar, doch es ist kein Berg zu sehn. Es rettet uns kein Zauber. Das gilt es zu verstehen“. Dass es hierbei um die Bankenkrise, um Geld und ums Scheitern geht, begreift selbst der aufmerksamste Fan erst nach mehrmaligem Hören. Herrenmagazin sind eben Meister der Metaphorik. Ihre sprachliche Gewandtheit ist ihr USP. Selbst vom Aussterben bedrohte grammatische Phänomene wie den Genitiv oder den Konjunktiv beherrschen sie. Eine intellektuelle Bande, die auszog, um dem Denglischen das Fürchten zu lehren.

Text: Henrike Möller

Foto: Nina Stiller

Herrenmagazin, Escobar-Sun-Deck?/?Badeschiff, Do 25.7., 20 Uhr, VVK: 12,00 Euro zzgl. Gebühren

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