Konzerte & Party

Heute im Lido: The Raveonettes

The RaveonettesWenn Rose Sune Wagner über den Hudson River blickt, hat er New Jersey vor Augen: den Ort, an dem sich einst The Shirelles formierten. Das ist bald 50 Jahre her, doch der Sänger der Raveonettes kriegt bis heute glasige Augen, wenn er die unschuldigen Harmo­nien der Ur-Girlgroup hört. So wie damals Platten gemacht wurden, können auch Wagner und Bandpartnerin Sharin Foo gut arbeiten. Die Dänen schreiben Songs wie am Fließband. Erst recht, seit Wagner in New York lebt. „In Kopenhagen war’s manchmal schwierig, Inspiration zu finden“, gesteht er. In New York reicht dagegen eine Nachmittagsfahrt in der U-Bahn, um auf Figuren zu stoßen, denen The Raveonettes später zwei bis drei Minuten lange Pop-Schön­heiten auf den gebeutelten Leib schnei­­dern.
Ihr neues, viertes Album, „In And Out Of Control“ wimmelt vor Verlorenen und Taumelnden; es geht um Drogen, Vergewaltigung, Suizid. „Every time you overdose, I rush to intensive care“, säuseln die Raveonettes etwa. „If this is the last dance, then save it for me, baby.“ Tiefschwarzer Stoff, der inspiriert sei von den Leuten, die sie kennen, von Freun­den der Band. Jedoch schwingt ein kleines sarkastisches Augen­zwinkern mit, wenn die Abgründe des Daseins in derart süßer Hül­le daherkommen, gespickt mit Glöckchen, karamellweichen Gitarren und Chören, aus denen von fern die alten Rock’n’Roll-Helden grüßen. Als „Retroband“ sehen sich The Rave­onettes dennoch nicht; dazu sei man nicht puris­tisch genug. Im Studio verwenden Wagner und Foo Drumcomputer und Samples: modernes Gerät, mit dem andere Leute Rap-Tra­cks produzieren würden. Doch selbst wenn man den beiden nur einen Laptop in die Hand drücken würde. Sie klängen doch wieder so wie die verlorenen Geschwister der Shirelles.

Text: Ulrike Rechel

The Raveonettes, Lido, Mo 7.12., 21 Uhr, VVK: 18,80 Euro

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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