Konzerte & Party

HGich.T im Lido

HGich.T

Auf gut 20 Personen soll das Hamburger Kunstkollektiv innerhalb der letzen 18 Jahre angewachsen sein. Seit 14 arbeitet man auch mit Musik und seit fünf Jahren unter einem gewissen Bekanntheitsgrad. Mit dem Journalisten und ehemaligen NS-Verbrecher jagenden Staatsanwalt Detlef Kuhlbrodt, Jahrgang 1961, hat man zuletzt sogar prominenten Zuwachs bekommen. Als lüsterner Opa16 gesellt sich der Nimmermüde zu Typen wie Sänger Vhagvan Svami (vormals bekannt als Anna-Maria Kaiser), DJ Hundefriedhof, Dr. Diamond, der schönen Maike oder Chanel. Zudem wurde das thematische Repertoire so um Generationenliebe und Thailand-Rentner erweitert.
Der lokale Kosmos von HGich.T erstreckt sich zwischen Reeperbahn, dem Ex-Arbeiter-, jetzt Problemviertel Billstedt und dem Theaterzentrum Kampnagel. Der musikalische Wallfahrtsort ist wiederum das indische Goa, berühmt für seine bewusstseinserweiternden Partys. Der dort entstandene Psy-Trance kann bei HGich.T aber auch mal in Knatter-Techno und neuerdings Schlager-Pop abdriften. Überhaupt sind die Hamburger auf ihrem dritten, in diesem Jahr erschienenen Album „Megabobo“ so zugänglich geworden, wie es in diesem Kontext nur geht. Was nicht heißt, dass in Tracks wie „Dr. XTC“, „Diddelmaus Ballerina“ oder „Domian Hirst“ (sic!) die eigenen Nerven nicht doch auf eine harte Probe gestellt werden.
HGich.T stehen dabei gewissermaßen in fortwährender Konkurrenz zur Scripted Reality der Gegenwart: Alles, was uns das Privatfernsehen tagtäglich an Absurdem zum Nachmittag serviert, findet sich auch in den Texten des Kollektivs, wenngleich oftmals doch einen Deut überspitzter, reicher an Fäkalien und Drogenerzählungen. Vollmeisen tirilieren schief im Vollrausch. So richtig ergibt minus mal minus aber erst plus bei den rauschhaften Live-Shows, die eher Performances denn Konzerte sind.

Text: Thomas Vorreyer

HGich.T, Lido, Cuvrystraße 7, Kreuzberg, Di 30.12., 21 Uhr, VVK: 13 Euro zzgl. Gebühr

Mehr über Cookies erfahren