Konzerte & Party

Im Lido: Hidden Cameras

Hidden CamerasOb Joel Gibb kürzlich im Zuschauersaal des Hebbel-Theater saß und applaudierte, als Peaches ihre Soloperformance als „Jesus Christ Superstar“ gab? Die Show der Sängerin, die genau wie Gibb die Heimat Toronto gegen Berlin eintauschte, dürfte jedenfalls genau nach seinem Geschmack gewesen sein: theatralisch, mit gesundem Hang zum Camp, zudem gespickt mit Melodien, die eine Publikumsmeute gern mitsingt. Besonders gut aber wird dem Neubewohner von Berlin-Rixdorf das religiöse Motiv gefallen haben. Wo der schwule Songschreiber doch eine ganz eigene Art Gospel feiert: Mit seinen variabel aufgestellten Hidden Cameras trat der Kanadier schon wahlweise in Kirchen oder Pornokinos auf, teils mit tanzenden Go-Go-Boys im Schlepptau.
„Gay Church Folk“ nannte er das Ganze. Nur stilecht also, wenn sich im Instrumentarium des jüngsten Albums „Origin: Orphan“ nun auch die Kirchenorgel findet. Freundlich flötend leitet sie den Schrammelsong „He Falls To Me“ ein, bevor dieser in einen lieblichen Popchorus abhebt. Schon immer war Joel Gibb ein Fan derartiger Jubelharmonien – ein frohes Echo auf klassische Vorbilder wie die „Pet Sounds“ der Beach Boys. Auf „Origin: Orphan“ weichen die strahlenden Chöre nun verstärkt dunklen Gewitterwolken. Besonders im schwerblütigen Titelstück wähnt man sich im Szenario eines grimmigen Neowestern; Bläserfanfaren und hallende Pauken klingen wie Vorboten düsterer Ereignisse; gesanglich schlägt Folkbariton Gibb einen ungewohnt elegischen Ton an, gibt den nachdenklichen Erzähler. Dem regenbogenbunten Folk seiner Hidden Cameras fügt er damit ein spannendes neues Kapitel an.

Text: Ulrike Rechel

Hidden Cameras, Lido, So 18.4., 21 Uhr, VVK: 18 Euro

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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