Konzerte & Party

HipHop is back

HipHop

Ob es die Charts sind, in denen Marteria, Casper oder Bushido Helene Fischer und den Toten Hosen regelmäßig die ersten Plätze streitig machen, ob es das Feuilleton ist, in dem man Rapper wie Sookee oder Grim104 zu ihren gesellschaftspolitischen Anliegen befragt – alle Welt scheint inzwischen HipHop zu mögen, nimmt ihn aber zumindest sehr ernst. Auch ein Blick in die Kunst- und Operntempel der Republik lässt staunen: Bei „Flying Bach“, „Wagner Reloaded“ und „Breakin’ Mozart“ bedient sich die Hochkultur zum Zwecke der eigenen Verjüngung zunehmend bei den Breakdance-Athleten. Wir stellen hier die derzeit spannendsten Rapperinnen und Rapper und die besten Plätze vor, an denen man sich mit reichlich Berliner Schnauze und Rhythmusgefühl heiße Wortgefechte liefern kann.

MegalohMEGALOH
Nach langem Anlauf hat der Moabiter letztes Jahr mit seinem ersten Album „Endlich Unendlich“ für Aufsehen und ausverkaufte Konzerte gesorgt. Live rappt er auch schon mal auf die alten Beats von Absolute Beginner aus Hamburg und zeigt, dass es im Deutschen HipHop nicht mehr um den Zwist zwischen Berlin-West und dem Rest geht, was auch seine Zusammenarbeit mit Max Herre und Afrob beweist, die ursprünglich zum Stuttgarter Kreis gehören.
Lemon Ice Energy Session
, ?Cassiopeia, Revaler Straße 99, Berlin-Friedrichshain, 19.4., 20 Uhr, 10 Euro

KARATE ANDI
Der als Battleking bei „Rap am Mittwoch“ bekannt gewordene MC Karate Andi hat Februar dieses Jahres einen Top-Erstling hingelegt und landete damit auf Platz 24 der Albumcharts. „Pilsator Platin“ klingt, wie Karate Andi aussieht: verdrogt, obszön, Hermannplatz. Der selbst erklärte Boss vom Hinterhof doziert mit seiner gewohnt schnoddrigen Fuck-everything-Attitüde und einer unglaublichen Punchlinedichte über Kindergeld, Breakdancebattles und die Generation Andi.
Burgeramt live Vol. 2, ?Astra Kulturhaus, Revaler Straße 99, ?Friedrichshain, 18.4., 18 Uhr, VVK: 28,70 Euro, mit Die Orsons, B-Tight, Liquit Walker u.a.

SookeeSOOKEE
Tic Tic Boom nennt sich das Kollektiv um die Rapperin Sookee, die vor Jahren auszog, Sexismus, Homophobie und andere Unarten im deutschen Rap zu vernichten. Dass ihr das noch nicht vollständig gelungen ist, hört man auf ihrer neuen Platte „Lila Samt“, auf der sie ihrer Enttäuschung über die deutsche HipHop-Szene freien Lauf lässt. Trotz allem bleibt sie aber dabei. Die von ihr und ihrer Crew organisierten Zeckenrap-Galas sind ausverkauft und ein voller Erfolg. War politisch korrekter Rap früher meist unhörbar, akademisch und steif, so hat sich mittlerweile eine Riege talentierter Rapper herausgebildet, die funky sind und die man getrost auch seinen minderjährigen Kindern empfehlen kann. Rap mit gutem Gewissen eben. Nächster Termin in Berlin:
Purple Velvet International Female HipHop Tour, ?SO?36, Oranienstraße 190, Kreuzberg, 7.5., 20 Uhr, 10 Euro zzgl. Geb.

MALANDERS
Mal was anders machen, dachten sich Rapper Gris und sein Kumpel Hocz, als sie 2010 aus Liebe zum HipHop und ohne Gedanken ans Geldverdienen ihre Partyreihe starteten. Events wie Beatboxbattles und Rapkonzerte für ein kleines, aber feines Publikum geben auch Neulingen die Chance, gehört zu werden – so passiert bei MC Fitti, der hier das erste Mal auf der Bühne stand. Auf der Homepage kann man sich in die sogenannte Spezialliste eintragen und erhält dann vergünstigten Eintritt zur jeweiligen Show.
www.malanders.be, ?Karakas Bar, Kurfürstenstraße 9, Schöneberg, nächste Veranstaltung: ?“Apollon live II“, mit RO aka Romanzen, Alex Rapp, David Battle, ?26.4., 21 Uhr, 8 Euro

3PLUSSS
Bekannt geworden durch Battle-rap, hat sich 3Plusss mittlerweile weiterentwickelt – was nicht zuletzt an der Zusammenarbeit mit Beatmakern wie Figub Brazlevic liegen dürfte. Seine quäkende, nasale Stimme ist ein Charakteristikum, mit dem er auch auf dem neuen Album „Mehr“ selbstironische Texte über Alltagsprobleme in spaßigem Rap verpackt.
3 Plusss & Sorgenkind + Mortis, ?Bi Nuu, im U-Bhf. Schlesisches Tor, 27.4., 20 Uhr, 15 Euro zzgl. Geb.

AmewuAMEWU
Reimphilosoph und wahrscheinlich schnellster Rapper Berlins. Amewu legt nicht nur Wert auf eine ausgefeilte Raptechnik, die er immer weiter perfektioniert, sondern kombiniert sein Können mit inhaltlich anspruchsvollen Texten. Ob Selbstreflexion oder Kritik an gesellschaftlichen Missständen und menschlichem Fehlverhalten – Tiefgang ist auf seinem 2012 erschienenen Album „Leidkultur“ garantiert. 
www.amewu.de

KÄPTN PENG & DIE TENTAKEL VON DELPHI
Wortwitzige Abstrusitäten und den logischen Verstand herausfordernde Texte. Sprechgesang, der Spaß macht und außerdem Sinn hat. Auf der Suche nach Ursprung und Sinn der Existenz rappt Käptn Peng zur Livemusik der Tentakel von Delphi, die neben Gitarre und Bass auf selbst kreierten Instrumenten spielen. Auf seinem eigenen Label Kreismusik hat das Kollektiv letztes Jahr das hochamüsante Album „Expedition ins O“ veröffentlicht.
www.kreismusik.de

ZUGEZOGEN MASKULIN
Aus der tiefsten Provinz kommen Zugezogen Maskulin, die sich als Ost-West-Duo in Berlin gefunden haben. Testo stammt aus Rostock, Grim104 aus einem Dorf in Ostfriesland, und gemeinsam rappen sie über die Schwierigkeiten einer Jugend auf dem Abstellgleis. Ihr Bandname spielt einerseits auf die Crew von Kool Savas und Taktloss an, die sich Westberlin Maskulin nannte, andererseits natürlich auch auf den Hohn und Spott, den man als Nicht-Berliner ertragen muss, wenn man hier wohnt. Die Solo-EP von Grim104, die Anfang des Jahres erschien, wurde von der Spex bis hin zum Spiegel als herausragend gewürdigt, und als Vorgruppe auf der Thees-Uhlmann-Tour (einem weiteren Wahl-Berliner) zeigten sie den Indie-Rockern, wie sich Rap im Jahr 2014 anhören kann.

Foto Sookee: © tainted lenses / Philipp Primus

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