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Hole: „Nobody\s Daughter“

Hole: Moby hat vor ein paar Jahren bereits Songs des neuen Hole-Albums gehört. Und war hingerissen: von rotzigen Lo-Fi-Songs, in denen die gepeinigte Grunge-Diva ihr Innerstes nach außen kehrt. Von dieser Sorte finden sich einige Titel auf dem Album, das nach ersten Grundarbeiten noch eine halbe Ewigkeit brauchte, bis es fertig wurde. Die stärksten Stücke sammeln sich am Ende des Albums, das als drittes Hole-Werk firmiert, zwölf Jahre nach „Celebrity Skin“.
Dabei ist „Nobody’s Daughter“ im Wesent­lichen eine Courtney-Love-­Solo-Show. Sie wurzelt in einer Einsamkeit, die man wohl nur in der abgeriegelten Welt eines Krankenhauses – hier Drogen-Reha – verspüren kann. Dort checkte die Sängerin 2005 ein; da wegen Zimmerruhe keine E-Gitarren erlaubt waren, ist nun die akustische Gitarre das Herz der Platte. Das Auf-sich-selbst zurück geworfen zu sein ist den Songs anzuhören. „I never wanted to be some kind of comic relief, please show me who I am“, fleht Love in „Letter To God“, um ernüchtert Bilanz zu ziehen: „I’m so sorry I’m so weak and I’ve turned into a freak, but I don’t know anything.“ Ähnlich substanziell auch die Lyrics jener Stücke, die erst Monate oder gar Jahre später fertig wurden. Die Hole-Chefin übersetzte sie mit Hilfe prominenter Freunde wie Linda Perry und Billy Corgan ins breit rollende Rockformat.
Da wäre das Titelstück, in dem Loves tiefer Rockstar-Gesang, dem bitteren Gehalt zum Trotz, mit U2-Gitarren und Streichern um die Wette strahlt; oder „Honey“: eine klasse Grunge-Hymne. Hat man aber die Entstehungsgeschichte im Hinterkopf, wirkt das Klangbild der ersten Hälfte fast schon zu gleichmäßig. Erst später eröffnet die Songschreiberin ihr Destillat aus Verletzlichkeit und Aufbegehren. Einen hellen Schlussakkord setzt das hin gehudelte „Never Go Hungry“ – eine jener frühen Nummern, die Moby so entzückten. Darin fordert sich die 45-Jährige im rotzigen Singsang selbst heraus: „It’s time for me, yeah, to be a man“. Damit ist Love nicht allzu weit entfernt von coolen Alten wie Dylan oder Cash. Auch wenn bis zum Se­­nio­ren­alter noch Zeit ist. Hoffentlich.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Hörenswert

Hole, Nobody’s Daughter (Mercury/Universal)

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