Konzerte & Party

„Holy Fuck“ spielen im Magnet

Holy FuckIm Sommer letzten Jahres erwog die kanadische Regierung, die finanzielle Förderung von Tourneen kanadischer Bands einzustellen, weil es solche unter ihnen gibt, die sich Schimpfwörter als Namen geben. Nur Holy Fuck, Torontos umtriebige Lo-Fi-Elek­tro­nik­­punks konnten damit gemeint sein. Seit ihrer Gründung vor fünf Jahren, als die ehemaligen Mitglieder der lokalen Formationen King Cobb Steelie und By Devine Right sich entschlossen, ein Konzert zu spielen, ohne zuvor auch nur einmal geprobt zu haben, gelingt dem losen Kollektiv um Graham Walsh und Brian Borcherdt ständig Aufsehenerregendes. Beim Glastonbury Festival und Lollapalooza oder den stets grandios besetzten Konzertnächten der All To­morrow’s Partys wurde ihr schnel­ler, drecki­ger und vom Techno inspirierter, aber aus­schließ­lich auf analogen Ins­tru­men­ten basierender Sound zwischen Afrobeat, Krautrock und Electro zur Live-Sensation. Überhaupt sind die beiden Alben „Holy Fuck“ und „LP“ zwar solide, die ganze Wirkkraft der spontanen, energiegeladenen Improvisation entfaltet sich aber erst auf der Bühne und lässt das Konzert zur Tanzsause werden, auf der sich Partymaus und bärtiger Nerd näherkommen dürfen. Bis heute wei­­gert sich die Band, die übrigens den schönen Beinamen „eine gars­tige Version von Kraftwerk“ trägt, fleißig zu proben, selbst wenn sie mit befreundeten Kanadiern wie dem Arcade-Fire-Arrangeur Owen Pallett oder Dave Newfield von Broken Social Scene kooperieren. Ihren Namen ändern wollen sie auch nicht, vielmehr haben sie Ver­bündete im Geiste gefunden. In Los Angeles ist seit einigen Jahren eine gänzlich andere, wenn auch nicht minder hörenswerte Band namens Holy Shit aktiv.

Text: Jacek Slaski

Holy Fuck, Magnet, Mo 27.4., 21 Uhr, VVK: 13 Euro

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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