Konzerte & Party

Holy Ghost! in der Berghian Kantine

HolyGhostEs gibt dieses Pressefoto von Holy Ghost!, das die beiden New Yorker in ihrem Studio auf dem Sofa sitzend zeigt. Und wäre da nicht dieser prominente Schriftzug über ihren Köpfen, wäre dieses Bild nichts Besonderes. „CHIC“ steht da in dicken, schwarzen Lettern und lässt die Szenerie wie ein musikalisches Statement wirken. Dabei ist Holy Ghost!s Musik keineswegs retro oder ein simpler Neuaufguss überkommener Disco­formeln. Vielmehr orientieren sich Nicholas Millhiser und Alex Frankel am Produktionsstandard der Blütejahre von Disco, also dem Jahrzehnt zwischen 1975 und 1985, als sich Musiker noch den Luxus sündhaft teurer, dafür aber krisper und klarer Aufnahmen gönnten. Ihre Begeisterung für diesen Sound haben die beiden während ihrer Zeit bei der Rap-Gruppe „Automato“ entdeckt. Wie für das Genre üblich, verbrachten Alex und Nicholas damals eine Menge Zeit mit dem „Crate-Diggen“, also dem Stöbern nach samplebaren Vinylperlen, die sich dem „Digger“ meist erst dann erschließen, wenn er sich bis in die staubigeren Ecken der Plattenläden vorgegraben hat.

Glücklicherweise hatten sie bereits damals in Tim Goldsworthy und James Murphy von DFA ihre musikalischen Mentoren gefunden, die ihnen erklärten, dass es schon okay sei, Disco zu mögen. Noch besser sei natürlich, diesen Sound in die Gegenwart zu übersetzen und mit aktuellen Einflüssen zu vermischen. Das Stück „Say My Name“ steht beispielhaft für Holy Ghost!s Stil, der wie eine eingängige, aber nicht anbiedernde Mischung aus Synth-Pop, Indie und eben Disco klingt. Ihr bislang eher geringer Output erklärt sich dabei mit ihrem Hang zum Perfektionismus. Immerhin ist das kommenden April endlich erscheinende Debüt-Album schon seit 2007 in der Mache. Dazu gelten die beiden als absolute Technik-Nerds: Ein Blick in ihr Brooklyner Studio zeigt schränkeweise Keyboards, Drumcomputer und obskure Effektgeräte. Während Alex für den Gesang und das Schreiben der Melodien zuständig ist, kontrolliert Nicholas die Technik. Das vergangene Jahr haben die beiden übrigens damit verbracht, ihre aus verschiedenen Einzelparts bestehenden Stücke in einen Live-Auftritt zu verwandeln. Holy Ghost! treten deshalb auch als fünfköpfige Band auf.

Text: Lucas Negroni

Holy Ghost! + Jamie Woon
Berghain Kantine, Do 10.3., 21 Uhr, VVK: 17 Ђ, Tickets www.tip-berlin.de/tickets

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