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The Hundred In The Hands: The Hundred In The Hands

The Hundred In The HandsFast zehn Jahre lang versuchte Jason Friedman es mit der Band The Boggs, deren drittes und bestes Album „Forts“ vor gut drei Jahren in Berlin entstand. Friedman arbeitete tagsüber als Touristenführer und abends an einer abenteuerlichen Mischung aus Folk-Rock und Post-Punk mit Banjo und Adam-Ant-Getrommel. Gehört hat das kaum jemand. Immerhin lernte der Alchimist auf Tournee Sängerin und Keyboarderin Eleanore Everdell kennen, mit der er nun einen Neuanfang wagt.
Warum sich die beiden New Yorker für ihren Namen ausgerechnet beim Fetterman-Massaker („The Battle Of The Hundred In The Hand“) bedient haben, bei dem Lakota-Indianer weißen Soldaten im 19. Jahrhundert eine vernichtende Niederlage beigebracht hatten, muss an anderer Stelle geklärt werden. Martialisch klingt die Musik von The Hundred In The Hands jedenfalls nicht. Auch einen folkloristischen Touch sucht man vergebens. Stattdessen zeigt uns das Duo mit seinem Debüt, wie entspannte elektronische Popmusik geht. Endlich ist mal Schluss mit ewig denselben Verzerrungen und Kompressor-Effekten, die besonders in Frankreich so beliebt sind.
Auch der in diesem Genre weit verbreitete Zickenterror bleibt aus. Everdell macht es anders. In „Young Aren’t Young“ liebkost sie mit einer Stimme, die an Suzanne Vega erinnert und toll mit einem unaufdringlichen Disco-Groove harmoniert. In „Lovesick (Once Again)“ macht sich Friedman an der Gitarre bemerkbar, auch das klingt verführerisch. The Hundred In The Hands decken ein Spektrum zwischen dem sphärischen Sound von Telepathe oder School Of Seven Bells und dem New-Wave-Drive von Martha & The Muffins ab. Sie versteifen sich auf keinen Stil, sondern setzen von Stück zu Stück immer wieder neue Akzente.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert 2

The Hundred In The Hands, The Hundred In The Hands (Warp/Rough Trade)

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