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Ibeyi: Ibeyi

Ibeyi: IbeyiRichard Russell ist kein Mann, der sich die Musiker, mit denen er arbeitet, dem Namen nach aussucht. Aus einer Garage, die zu den Räumlichkeiten seines Labels XL Recordings gehört, hat er ein kleines Studio gemacht und The xx dort das erste Album aufnehmen lassen. Vor Kurzem hat er mit den Soul-Legenden Gil Scott-Heron und Bobby Womack gearbeitet und in Kinshasa ein Projekt initiiert, an dem kongolesische Musiker und internationale Produzenten beteiligt waren. Jetzt bringt er uns mit Ibeyi eine Neuentdeckung näher. Das Duo besteht aus den in Paris lebenden Zwillingsschwestern Lisa-Kaindй und Naomi Dнaz. Ihr Vater war der Perkussionist Miguel „Anga“ Dнaz, der unter anderem mit dem Buena Vista Social Club gearbeitet hat. Nach seinem Tod im Jahr 2006 begannen die Töchter im Alter von elf Jahren, ihm zu Ehren Musik zu machen. Im Prinzip hat sich daran bis heute nichts geändert. Am Anfang und Ende von „Think of You“ hört man, wie Papa spielt und spricht. Sonst findet auf „Ibeyi“ keine Direktübernahme seiner Musik statt. Schwer zuschlagende elektronische Beats nach HipHop-Muster deuten an, dass es um die Verbindung von Tradition und Moderne geht. „Behind the Curtain“ ist zunächst eine nachdenkliche Piano-Ballade, die durch Trommelspiel und lebhaften Duo-Gesang in der aus Nigeria stammenden Sprache der Yoruba aufblüht. In „Stranger Lover“ hört man die Jazz-Einflüsse der Schwestern heraus. Der Beat dagegen scheint im Zukunftslabor entwickelt worden zu sein. „Ibeyi“ ist kein Album, auf dem es vordergründig um technische oder stilistische Finessen geht. Wenn Ibeyi ihren Wunsch nach Reinigung mit den Worten „I will come to your river, wash my soul again“ offenbaren, ist man voll bei ihnen. Man schließt sie wegen ihrer natürlichen Ausstrahlung ins Herz.

Text: Thomas Weiland

Ibeyi, Ibeyi (XL Recordings)

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