Konzerte & Party

Ibeyi im Kesselhaus

Ibeyi

tip Sie haben für ihr Debütalbum viel Lob erhalten und die Charts erreicht. Überraschte sie diese Reaktion?
Lisa-Kaindй Diaz Sicher, ja. Man kann vorher nicht ahnen, wie die Dinge genau laufen. Jetzt sind wir schon etwas überwältigt von allem, das Leben hat sich für uns deutlich verändert. Wir sind nicht mehr zu Hause und andauernd auf Tournee. Manchmal fühlen wir uns da schon ein wenig verloren. Wir treffen aber auch auf viele neue Leute an neuen Orten, das ist sehr wertvoll.

tip Berlin haben sie bereits kennengelernt. Wie war es bei den Konzerten im Astra und Grünen Salon?
Lisa-Kaindй Diaz Das war anfangs etwas zögerlich. Wir hatten das Gefühl, dass die Berliner Besucher nicht voll enthusiastisch aus sich herausgehen. Sie wollen die Musik in Ruhe genießen, vielleicht auch erst mal verstehen. Nachdem wir die Leute motiviert hatten, wurde es aber lebhaft.

tip Sie machen keine alltägliche Musik. Sie singen beide, Lisa spielt Piano und Naomi die Trommelinstrumente.
Naomi Dнaz Wir wollen das Ganze nicht groß verpacken, sondern unseren Wurzeln treu bleiben. Nachdem mein Vater Anga Dнaz gestorben war, der unter anderem beim Buena Vista Social Club Mitglied war, setzte ich mich hin und begann mit dem Perkussioninstrument Cajуn zu spielen. Lisa und ich lernten zusammen Folk-Songs in der Yoruba-Sprache.
Lisa-Kaindй Diaz An dieser Grundlage wird sich nichts ändern. Vielleicht kommt mal ein Chor hinzu, aber sonst wollen wir weiter der Kraft des Minimalismus vertrauen.

Ibeyitip Sie leben beide in Paris im 14. Arrondissement, in der Nähe von Montparnasse…
Naomi Dнaz Das ist traditionell eines der Künstler- und Intellektuellenviertel der Stadt. Dort haben schon Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir, Samuel Beckett oder der Chansonnier George Brassens gelebt. Man findet viele Bars, Clubs, Theater und auch Sex-Clubs. An anderen Ecken des Viertels kann man sich Mikrofone und Instrumente besorgen.

tip Wie haben Sie denn den Abend am Freitag, den 13. November, verbracht?
Lisa-Kaindй Diaz Wir waren in der Stadt Lorient und haben dort ein Konzert gegeben. Zwanzig Minuten vor Beginn der Show haben wir von den Attentaten gehört und ganz schnell Familie und engste Freunde angerufen.
Naomi Dнaz Das war eine unglaublich emotionale Angelegenheit. Wir hatten ja schon die Aufregung um den Anschlag auf Charlie Hebdo hinter uns. Nun mussten wir sehen, was überhaupt los war. Dann musste es weitergehen.

tip Sie hätten das Konzert auch absagen können.
Lisa-Kaindй Diaz Das kann, wenn alles in direkter Nähe der Taten stattfindet, schon in Frage kommen. Wenn wir aber weiter weg sind, gibt es keine Wahl. Als Künstler hat man auch eine Aufgabe, auf die muss man sich konzentrieren.
Naomi Dнaz Es darf generell nicht ins Extrem gehen. Die Menschen müssen weiter ausgehen. Sie dürfen sich nicht vor Leuten mit anderer Herkunft und Religion abgrenzen.

tip Beim Konzert der Eagles Of Death Metal im Bataclan wurden 89 Menschen getötet. Haben Sie auch schon in diesem Theater gespielt?
Lisa-Kaindй Diaz Das ist der erste Ort, an dem ich je aufgetreten bin. Es war vor fünf Jahren, als ich 15 war. Der kubanische Musiker Raъl Paz wollte, dass ich in einem Song mitspiele. Aus diesem Grund trage ich das Bataclan nahe am Herzen. Natürlich zitterte ich noch mehr, als ich hörte, es sei von den Attentaten betroffen.

tip Wie sieht es mit Auftritten in der Heimat ihrer Vorfahren aus. Gibt es Planungen für einen Auftritt in Nigeria?
Lisa-Kaindй Diaz Es ist schwierig, dort etwas zu bekommen. Die Verhältnisse sind unruhig. Wir sind aber schon im benachbarten Benin aufgetreten, auf einem Festival zusammen mit der in diesem Land geborenen Sängerin Angйlique Kidjo.
Naomi Dнaz Wir waren sehr nervös, als es darum ging, auf Yoruba zu singen. Es ist in unserem Fall ein alter Dialekt, der von Afrika nach Kuba getragen wurde. Heute spricht man im Benin eine modernisierte Sprache. Wir haben den Leuten erklärt, dass wir als Botschafterinnen in das Land kommen. In Benin ist man Auswärtigen gegenüber oft etwas zurückhaltend, aber uns haben sie mit viel Herz und Wärme aufgenommen.

Interview: Thomas Weiland

Fotos: FLAVIEN PRIOREAU

Ibeyi, Kesselhaus, Knaackstraße 97, ?Prenzlauer Berg, ?Fr 11.12., 20 Uhr, ausverkauft

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