Twin-Blues

Ibeyi kommen ins Lido

Karge Kampfansage: Laut sein geht auch leise. Besonders taktvoll, Ibeyi trumpfen auch auf ihrem neuen Album mit minimalistischem R’n’B auf

Foto: Amber Mahoney

Zurückhaltung bedeutet nicht immer Schüchternheit. Im Gegenteil: Viele Songs von Ibeyi sind nicht wahnsinnig pompös und protzig ausstaffiert. Aber die Stärke der kubanisch-französischen Zwillingsschwestern brennt sich auch ohne viel Tamtam ins Hörer-Hirn: Wir haben was zu sagen. Es geht um Emanzipation, Unabhängigkeit, ­Rechte – aber dabei bleiben die beiden stets unheimlich persönlich und dadurch ­intim. Lisa-Kaindé und Naomi Diaz machen Musik von Kämpferinnen, die ihre Fäuste nicht ballen. Stattdessen betten sie World Music mit Message auf modernen Minimalismus.

Das ungewöhnliche Zusammenspiel von Form und Funktion lässt beinahe in Vergessenheit geraten, dass Ibeyi die Töchter des 2006 verstorbenen Angá Diaz sind – einst Perkussionist des legendären Buena Vista Social Club. Dabei würden sich die beiden vermutlich gar nicht allzu sehr gegen solcherlei Bezüge sträuben. Schließlich verweisen sie selbst immer wieder auf ihre eigenen, ganz persönlichen Wurzeln: Der Name „Ibeyi“ bedeutet „Zwillinge“ auf Yoruba, einer Sprache, die Sklaven vor knapp drei Jahrhunderten von Nigeria nach Kuba brachten. Und die das Duo auch für einzelne Gesangspassagen in ihrer zerbrechlichen Musik verwendet. Der wunderschön ungewöhnliche Anstrich, den ihre Songs dadurch erhalten, wird aber immer auch wilden Sounds gegenüber gestellt: dem extrovertierten Saxofonspiel von Kamasi Washington zum Beispiel. Der Jazz-Star übernimmt eine Gastrolle in Ibeyis „Deathless“ vom aktuellen, zweiten Album „Ash“ – und verwandelt das Zarte wie selbstverständlich in unbändige Energie.

Lido Cuvrystr. 7, Kreuzberg, So. 3.12., 20 Uhr, ausverkauft

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