Konzerte & Party

Ideal: Berlin (1980)

Musik wollten in der ehemaligen Mauerstadt viele aufnehmen und veröffentlichen, aber das war nicht so einfach. Studios waren teuer, es gab nicht allzu viele von ihnen, und die Mäzene der Multis saßen woanders. Ideal ließen sich vom Standortnachteil nicht irritieren. Kaum war die Band 1980 gegründet, befand sie sich schon in den spartanisch eingerichteten Räumen des Wilmersdorfer Beat-Studios, wo dank Finanzierung des Kultursenats die erste Single „Berlin“ entstand. Ideal ließen 1000 Exemplare von „Berlin“ für das bandeigene Label mit dem schönen Namen Eitel Imperial pressen und klapperten damit die Plattenläden ab, in der Hoffnung, dass man ihnen einen Teil abnimmt. Der Plan ging auf, die Single war schnell vergriffen. Man kann die Euphorie nur allzu gut nachvollziehen. Diese Ode an die Stadt fängt den Geist von Punk und New Wave perfekt ein und appliziert ihn auf die Stadt. Anstelle üblicher Attraktionen aus der Touristenbroschüre feiert eine wie unter Strom stehend wirkende Annette Humpe nicht gerade bestens beleumundete Ecken ab, darunter den Bahnhof Zoo, Kotti, Mariannenplatz oder den einstigen Dschungel-Club. Drei Jahrzehnte ist der Song nun alt, aber er macht immer noch Sinn, weil er vieles von dem an sich hat, was in Berlin steckt und wohl immer stecken wird: Jugendlichkeit, rotziges Flair, kreative Unruhe und Multikulturalität.
Beste Zeile: „Kottbusser Tor, ich spring’ vom Zug, zwei Kontrolleure ahnen Betrug, im Affenzahn die Rolltreppe rauf, zwei Türken halten die Beamten auf.“

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