Konzerte & Party

Iggy Pop in der Zitadelle Spandau

Iggy Pop

Wenn Iggy Pop Interviews gibt, ist das ähnlich spaßig wie die Presse-Aussagen von Lemmy Kilmister. Beide Punk-Rock-Ikonen sind in ihren Sechzigern, beide haben nie ein Blatt vor den Mund genommen, ob bezüglich ihrer Sicht auf Gott, Amerika, andere Kollegen oder die eigene Sterblichkeit. Als Pop unlängst in einem Interview gefragt wurde, ob es die berühmte Silberhose noch gebe, die er auf dem ikonischen Coverfoto des „Raw Power“-Albums von 1973 trug, verneinte er. Die habe er mal verkauft, um an Drogen zu kommen, darüber hinaus sei die Hose unerheblich: „It’s the dick in the pants, not the pants on the dick.“ Nicht die Klamotte zählt, sondern, wer drinsteckt. In der Tat sind der Punk-Freigeist und das Energie-Level, die der Mann aus Michigan in den Siebzigern ausprägte, vielfach kopiert, aber nie erreicht worden. Die Reunion seiner alten Stooges, zu denen seit Jahren Hardcore-Instanz Mike Watt am Bass gehört sowie einer der Asheton-Brüder – nämlich Drummer Scott –, zählt zu den besten Comebacks überhaupt. Erstaunlich bei den Auftritten der Alt-Punks ist die Härte, mit der die Truppe unentwegt ihre Instrumente behandelt und Klassiker wie „Funhouse“ variiert und ihnen frisches Leben einhaucht. Das Stage­diving allerdings, bis vor Kurzem noch selbstverständlich, fährt Iggy Pop etwas zurück. Heute ließe er sich eher „von der Bühne fallen“, statt wie einst mit Anlauf in die Meute zu springen, verrät er. Die Selbstironie des Mr. Pop, auch hier Parallelen zu Lemmy, steht ihm in reifen Jahren sehr gut zu Gesicht. Ach ja, ein neues Stooges-Album, das fünfte, steht bald zur Veröffentlichung an: ­„Ready to Die“ heißt es düster. Was hoffentlich nicht ernst gemeint ist.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Universal Music

Iggy And The Stooges + Pothead, Zitadelle Spandau, Di 6.8., 19 Uhr, VVK: 48,25 Euro

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