Konzerte & Party

Iggy Pop

The Stooge

Sollten Sie in letzter Zeit mit einem gewissen Rik Hart geschäftlich zu tun gehabt haben, seien Sie auf der Hut. Schon allein der Besitz seiner Visitenkarte macht Sie zum Verdächtigen. Solch eine befand sich nämlich neben Kopfschmerztabletten, einem iPod,
Mike Watts 1963er Gibson-Bass und nicht zuletzt dem gesamten Equipment der Stooges in deren Tourtruck, als dieser Anfang August in Montreal entwendet wurde. Trotz des herben Verlustes ma­chen die Stooges natürlich wei­ter auf ihrer Tournee durch Nordamerika und Europa.

Dafür hat die gebeutelte Band schon zu viel erlebt. Drogen, Orgien, Todes­fälle, Ärger mit der Polizei und permanenter finanzieller Notstand standen auf der Tagesordnung. Ein Wunder also, dass sie, bis auf den ersten Bassisten Dave Alexander, alle noch leben. Doch Iggy Pop, der Pate des Punk, erfreut sich einer robusten Verfassung, widmet sich in seiner Freizeit neuerdings den Freuden des Gärtnerns und ist überzeugter Vegetarier. Mit seinen alten Kameraden, den Gebrüdern Ron und Scott Asheton, dem Saxofonisten Steve MacKay und dem neuen Bassisten Watts, der sich nun ein neues Instrument su­chen muss, will er es sich wohl noch einmal beweisen.

Mit dem eher lauen Studioalbum „The Weirdness“ von 2007, der ersten offiziellen Veröffentlichung nach 35 Jahren, konnten die 1967 in Ann Arbor gegründeten, 1974 aufgelös­ten und 2003 wieder reformierten Stooges nicht überzeugen. Ihre urwüchsige Kraft liegt aber seit jeher im Liveauftritt. Der 61-jährige Iggy ist kaum ruhiger geworden und scheint weiterhin über endlose Energiereserven zu verfügen. Halbnackt, verschwitzt, steil nach vorne gebeugt und mit voll durchgestrecktem Oberkörper win­det er sich wie in den guten alten Zeiten in echsengleicher Eks­tase auf der Bühne. Einem lüs­ter­nen Reptil nicht unähnlich springt er in dieser zwischen Paranoia und Größenwahn oszillierenden Stimmung umher und lässt anarchischen Stoßgebeten von „No Fun“ und „I Wanna Be Your Dog“ bis „Raw Power“ kaum anmerken, dass sie älter sind als das stets jünger werdende Stooges-Publikum. Es ist seine Kampfansage an die Vergänglichkeit.

Text: Jacek Slaski

Tip-Empfehlung: Verlässlich gut


Iggy & The Stooges + El*ke, Jingo de Lunch, The Assassinations
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Zitadelle Spandau, Do 28.8., 18 Uhr

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