Konzerte & Party

Im Berliner Clubleben ist er eine Instanz: Oliver Koletzki

Oliver KoletzkiSchon die Tatsache, dass Oliver Koletzki einen ihm fremden Gesprächspartner zum Interview in seine Wohnung und eben nicht in irgendein Cafй bittet, deutet es an: Jegliche Eitelkeit ist ihm fremd. Dabei könnte er sie sich leisten. Schließlich hat sich der DJ und Produzent mehr als nur einen guten Namen in der Elektroszene gemacht. Sein Track „Mücken­schwarm“ – von Sven Väths Label Cocoon lizensiert – markierte 2005 den Durchbruch. Er wurde zum international gebuchten DJ, gründete sein eigenes Label Stil vor Talent und hatte mit seinem Debütalbum „Get Wasted“ 2007 einen respektablen Erfolg. Es folgten eine eigene Fashionmarke und Koorganisation von Musik-Events wie neulich das „Beats & Boats“ auf der Spree. Die elektronische Clubszene und Koletzki sind längst ein untrennbares Paar, das immer in Bewegung ist.
Das Ausgehen, das Feiern, zelebriert er immer noch nahezu jedes Wochenende. „Ich dachte, das hört mal auf jenseits der 30. Tut es aber nicht. Mir ist das wichtig, der direkte Kontakt zu den Leuten da draußen, ich hole mir auch viel künstlerische Inspiration daraus“, erklärt Oliver auf der Terrasse seiner frisch bezogenen Wohnung in Friedrichshain.
Oliver Koletzki„In der Tat, ich bin ein Getrie­be­ner. Aus Leidenschaft motiviert, ich wüsste auch nicht, was ich sonst anderes machen sollte.“ Vor etwa zehn Jahren kam er von Braunschweig wegen des Musikstudiums in die Stadt. Sein Instru­ment ist das Klavier. „Anfangs hielt ich mich mit typischen Jobs über Wasser. Arbeiten im Supermarkt und so. Später legte ich dann in Bars auf.“ Dort trifft man Koletzki – früher auch unter dem Pseudonym Parker Frisby unterwegs – heute nicht mehr bei der Arbeit; längst legt er in den großen Clubs auf. Seine Gage reinves­tiert er zum Teil in die Releases seines eigenen Labels, mit dem er vor allem junge Künstler unterstützen möchte. „Wenn so eine Veröffentlichung schon ein Plus-minus-Null-Geschäft wird, bin ich zufrieden.“ Um so mehr erstaunt es, dass der trotz seiner 34 Jahre irgendwie jungenhaft wirkende Koletzki ein lukratives Angebot abgelehnt hat. Der Majorkonzern Universal Music bot ihm für sein aktuelles Album „Großstadtmärchen“ einen Deal an. Doch Koletzki lehnte ab. Mit einer fast schon naiven Begründung: „Wieso, ich habe doch ein eigenes Label!“ Wenn man ihn dann mit Begriffen wie Reichweite und Budgets konfrontiert, erzählt er von seinen eigenen Strategien, von den nächsten Singles, vom geplanten Videodreh. Oliver Koletzki ist ein Macher, der die Tücken und Vorteile der Indus­trie längst verinnerlicht hat.

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