Konzerte & Party

Im Gespräch mit !K7-Labelchef Horst Weidenmüller

horst_weidenmuellerHerr Weidenmüller, zum Abschluss des !K-27-Jubiläums war eine Videoinstallation mit altem Archiv-Material im Club +-0 geplant. Leider wurde „Subkultur/Berlin ’80“ jetzt abgesagt. Was war der Grund dafür?
Leider mussten wir die Veranstaltung absagen, da das +-0 aus baurechtlichen Gründen wieder geschlossen wurde. Wir suchen jetzt nach einer neuen Location und werden die Veranstaltung für Ende Februar neu aufsetzten.

Wie ist die Videoinstallation konzipiert?
In einem industriellen Raum befinden sich rundum Leinwände in einer Höhe ab drei Meter bis zu Decke in Höhe von sechs bis sieben Meter. Der Gast steht unterhalb der Projektionen und hat diese so um sich herum. MOX, der VJ‘ wird einzelne Stücke von unseren Konzertaufzeichnungen zusammenmischen. Das muss man sich wie ein DJ vorstellen, nur eben mit Videos. In den Räumen wird außer den Projektionen kein Licht sein – und es ist unser Ziel, eine original 80-Jahre- Konzertatmosphäre entstehen zu lassen. Die Videos werden in drei Themenblöcken von ca. je einer Stunde zusammengefasst sein. Zwischen den einzelnen Videoshows wird Maria Zastrow aus der Risiko Bar sowie Mark Reeder Musik auflegen. Maria wird dies mit den Original-Kassetten aus der Risiko Bar machen.

Anhänger der elektronischen Musik verbinden mit Ihrem Label vornehmlich die DJ-Kicks-Serie, doch als Stud!o K7 ins Leben gerufen wurde, ging es vornehmlich um den Mitschnitt von Konzerten und der Produktion von Videos.
Das liegt ziemlich nah zusammen, da sowohl die 80iger Musik wie die Anfänge von Techno auf unabhängigen Musiklabels produziert wurden. Meine Firma war in den 27 Jahren immer daran interessiert, Musik, die in der Nische entstanden ist, aufzunehmen und in dem Markt umzusetzen. Wenn man sieht, was Bands wie die Einstürzenden Neubauten oder Nick Cave an neuer Musik in den Markt gebracht haben, dann liegt das ziemlich nah an dem, was in den End-80igern mit Techno entstanden ist. Doch Techno war noch unabhängiger als Indie Musik dieser Zeit. Die Musik wurde auf Home Computern produziert, es wurden die 12″ Platten selber gepresst und der Vertrieb hat da ein paar tausend Einheiten von verkauft… wenn das nicht Indie ist!

Wie kamen Sie schließlich auf die Idee, daraus eine Plattenfirma zu entwickeln?

Meine Leidenschaft war es, mit Künstlern zu arbeiten und denen eine Plattform für Ihre Kunst zu geben. Bei den Techno Videos „X-MIX“ haben wir dann angefangen, die CDs zu veröffentlichen und damit ist dann auch mein Traum in Erfüllung gegangen, ein Label zu gründen.

Heute gilt Berlin als Hauptstadt der Clubkultur. Auch Ende der 70er und Anfang der 80er-Jahre zog es Künstler wie David Bowie, Iggy Pop oder Nick Cave an die Spree. Als Sie vor 27 Jahren mit Stud!o K7 starteten: Wie gestaltete sich zu der Zeit die Szene in West-Berlin?
Es war etwas spontaner und einfacher. Heute steht das Business mehr im Vordergrund.

In Ost-Berlin gab es parallel ebenfalls eine lebendige Independent-Szene. War diese für Sie von Interesse? Haben Sie davon etwas mitbekommen?
Wir haben damals kaum etwas von Ost-Berlin mitbekommen. Das lag auch sicherlich daran, dass wir als Berliner ein Visa brauchten, um einzureisen. Da war wirklich eine Mauer. Mental und physisch.

Ohne Sentimentalität – aber gibt es Dinge (Clubs, Szene-Rituale oder ähnliches) aus der damaligen Zeit, die sie heute vermissen?
Auch mit Sentimentalität – nein. In einige Bars wie die Risiko Bar oder Dschungel würde ich liebend gerne mal wieder gehen, aber es gibt auch so viele einmalige neue Clubs. Berlin hat weltweit einfach die beste Clubkultur.

Mit der Videoinstallation klingt das Jubiläum aus, Zeit, nach vorne zu schauen: Was steht demnächst im Hause !K7 an, auf welche Neuveröffentlichungen darf man sich freuen?
Wir freuen uns schon alle sehr auf das neue Album von Brandt Brauer Frick und When Saints Go Machine. Bei unserem Label Strut kommen einige schöne Veröffentlichungen, wie ein Label-Tribute für Celluloid Records, neue Ausgaben aus der Inspiration Information Serie und einige limitierte Vinyl Nachpressungen vergriffender Strut Klassiker. Für !K7 Distribution haben wir gerade das neue Album von Tricky gesigned. Das soll im April kommen. Zudem werden wir im April das neue Album von Fat Freddy Drop veröffentlichen. Über unsere Managementfirma bekommen wir die Tage das neue Album von Hercules & Love Affair, das im Mai nächsten Jahres auf Coop/Universal veröffentlicht wird. Wir freuen uns auf jeden Fall sehr auf 2013 und vor allem auch darauf, endlich Subkultur/Berlin ’80 zu veranstalten.

Interview: Ronald Klein

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