Konzerte & Party

Im Gretchen: Mondkopf

Mondkopf

Weil Paul Rйgimbeau mit seinen Gedanken im Schulunterricht nie bei der Sache, sondern immer woanders war, fragte ihn sein Lehrer, ob er mit seinem Kopf auf dem Mond sei. Der Gedanke gefiel ihm, und deshalb gab sich der mittlerweile 24-jährige Produzent aus dem französischen Toulouse den Namen Mondkopf. Auf Deutsch, weil ihn der Klang der Sprache faszinierte. Und der sperrige Name bleibt auch in Erinnerung. Ähnlich die Musik, die Rйgimbeau unter diesem Pseudonym veröffentlicht. Allen voran das Stück „Day Of Anger“ aus seinem mittlerweile dritten Album „Rising Doom“. Es beginnt mit einer filigranen, klassisch angehauchten Piano-Melodie, die langsam in den Hintergrund abdriftet und einer bratzig-ausgefransten Sägezahn-Bassline Platz macht. Rйgimbeau konstruiert seine Produktionen meist nach einem Muster: Langsam verdichten sich die einzelnen Elemente zu einem düsteren, ekstatischen Stück, das eine hypnotisierende Sogkraft entwickelt. Seine Musik bewegt sich ständig zwischen Gothic-Rock und Elektro-Rave, eine Mischung, die man ähnlich auch von Justice kennt. Gemeinsam ist beiden das Düstere, das Pathos, aber Rйgimbeaus Produktionen wirken intensiver, sie bedrängen und beunruhigen den Zuhörer. Musik sei eben ein Ventil für seine schlechten Gedanken, erklärt der Produzent, „sie hilft mir, diese Dunkelheit loszuwerden.“ Die Vorliebe für das Sakrale in der Musik habe er durch seinen Vater entwickelt, der Kunstlehrer war und oft mit ihm Kirchen besuchte, was Rйgimbeau bis auf eine Sache ziemlich langweilig fand. „Mich faszinierte der Klang in den Kirchen, dieser besondere Hall und die Melancholie.“ Im Unterschied zu seiner emotional aufgeladenen Musik gibt er aber kaum Persönliches preis. Er habe eine Vorliebe für TV-Serien und lese gerne Comic-Hefte – mehr nicht. Politische Inhalte werde es in seiner Musik nicht geben – „ich fühle mich nicht dazu berechtigt, meine Meinung öffentlich zu äußern“, sagt er. „Außerdem bin ich sowieso raus aus den meisten politischen Debatten.“ Rйgimbeau scheint damit dem Prototypen des schüchternen Bedroom-Producers zu entsprechen, in minutiöser Arbeit zimmert er dort an seinem Computer seine Musik. Sie soll für sich sprechen. Mittlerweile wohnt er in Paris, Musik macht er immer noch in seinem Schlafzimmer.

Text: Lucas Negroni

Fuck Off: Zombie Nation + Mondkopf + Burns + Pat Ferry, Gretchen, Fr 11.11., 23.30 Uhr, AK: 12 Euro

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