Konzerte & Party

„Im Kontext“ von Hagen Liebing

Hagen Liebing

Raphael Saadiq, Leon Bridges, D’Angelo
und wie sie alle heißen – die neuen Soul-Männer, denen man eine tiefe, seelenvolle Stimme zuschreibt, wie sie einst bereits Marvin Gaye, Sam Cooke oder auch Al Green besaßen. Aber wie steht es beim Soul-Nachwuchs eigentlich mit der Authentizität, der zunehmend größer werdenden Währung im heutigen Show­geschäft, wo Handwerk längst zur Grundausstattung zählt?
Wie viel Leid – außer dem Liebesschmerz – kann ein Soul-Sänger dieser Tage noch empfinden in seinem kostbar restaurierten Vintage-Studio in L. A. oder London? Ist der aktuelle Schmerzenslaut des schwarzen Mannes nicht viel eher Pop als Propaganda, so ganz ohne den Kontext Ku-Klux-Klan, Rassentrennung und mit einem schwarzen Präsidenten im Weißen Haus? Manchmal erscheint mir dieser New Soul deshalb auch etwas unglaubwürdig, so wie die akademisierenden Blues-Treffen in den Volkshochschulen der 1970er-Jahre oder auch wie ein Dub-Abend im studentischen Partykeller, wo man manche dem Reggae innewohnende Homophobie einfach durchs Aussparen von Gesang weglächelt.
Aber dann sehe ich die Bilder des Rassismus aus Baltimore oder South Carolina im TV und weiß: Der Leidensdruck für Soul-Sänger von heute muss doch nicht so viel geringer sein als bei ihren Vorbildern. Gut für die Musik, sehr schlecht für die Menschen!

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