Konzerte & Party

Im Lido: Retropop von Miss Li

Miss_LiLinda Carlsson wollte eigentlich mal Fußballprofi werden. Dass daraus nichts wurde, liegt einerseits an der mäßigen Popularität des Volkssports unter den Mädchen von Borlänge. Andererseits daran, dass der Schwedin mit dem fröhlichen Sopran ein anderer Job dazwischenkam – Popsängerin. Statt Punktespiele gewann sie also kurzerhand einen Talentwettbewerb. 17 war Carlsson da und setzte sich immerhin gegen die Nachbarjungs von Sugarplum Fairy durch. Bevor aber aus Linda Miss Li wurde, packte sie erst mal die Koffer Richtung Stockholm und kaufte sich ein Klavier. Seither ist die Arbeitswut der Frau mit dem Faible für Retrokleidchen und kirschroten Lippenstift nicht mehr zu bremsen. Ihr aktuelles, schon viertes Album „Dancing The Whole Way Home“ ist ein lässig verrührter Mix aus schönen alten Spielarten wie Girlgroupsound, Cabaret und Sixties-Soul.

Zusammen mit Gitarrist Sonny Boy Gustafsson arrangiert Li ihre Songs nach Art einer drolligen Showtruppe samt Kontrabass, Strahlechören, Toy-Piano und Posaune. Das alles wäre fast eine Spur zu putzig, wäre da nicht die leichte Verworfenheit in der Stimme der Schwedin – die ungefähr klingt wie ein Schulmädchen, das zu früh mit dem Rauchen angefan­gen hat. Unter Stockholms sonst eher edelmelancholischen Popsirenen bespielt die 27-Jährige ihre ganz eigene Nische. Den Musik-Scouts von iPod ist die skandinavische Frohnatur denn auch nicht lang verborgen geblieben. Sie buch­ten ihre kokette Yuppie-Schelte „Bourgeois Shangri-La“ als Kampagnensong. Damit wäre Miss Li nicht die erste Songschreiberin, der per Werbe-Deal der Sprung ins internationale Geschäft gelingt. Neben Sugarplum Fairy und Mando Diao wäre sie dann schon das dritte Popwunder aus dem drögen Borlänge.     

Text: Ulrike Rechel

Foto: Linn Stalberg

Miss Li Lido, Do 19.11., 21 Uhr, VVK: 15,50 Ђ

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